Metamorphosen

Ein Schauspiel von Nils Gredeby nach Ovid

Ein fantastisches Erzähltheater für Kinder ab 5 Jahren

Metamorphosen, das bedeutet Verwandlung und Verwandlung ist Veränderung. Alles verändert sich ständig. Jetzt schauen wir noch auf die letzten bunten Herbstblätter, bald wird schon wieder alles weiß sein. Kinder verändern sich rasend schnell, wachsen, bekommen andere Gesichtszüge, die Persönlichkeit wächst. Aber in den Metamorphosen des Ovids geschehen noch spektakulärere Verwandlungen. Ein Mädchen wird von einem Gott in eine Kuh verwandelt, sie muss Gras fressen und nachts in den Stall. Ein Junge wir von einem Meergott gerettet, aber das Kind ist fortan ein Delphin. Menschen verwandeln sich in Bäume, in Lotosblüten, alles ist möglich in diesen Erzählungen aus den Urtagen der Menschen, als die Götter durch die Welt streiften.


Der schwedische Autor Nils Gredeby erzählt Geschichten aus Ovids Epos, welche für ganz junge Menschen geeignet sind. Er hat sich für die Geschichten entschieden, in denen es um Kinder geht, welche sich aus den unterschiedlichsten Gründen verwandeln müssen oder auch verwandelt werden. Fünf unterschiedliche Geschichten sind das, hier treten Götter auf, sprechen Bäume, verwandelt sich ein wütender Vater in ein weißes Kaninchen. Alles ist möglich: grenzenlose Verwandlung.
 

Regie: 
Julia Mayr
Bühne und Video: 
Stefano Di Buduo
Kostüme: 
Charlotte Labenz
Kostüme: 
Julia Mayr
Dramaturgie: 
Donald Berkenhoff
Premiere am ,
Werkstatt/Junges Theater
Dauer: 60 Minuten
Isabella Kreim, Kulturkanal – 12.12.2011
»...zauberhafte sinnliche Aufführung...«
Ovids »Metamorphosen«: kein Bildungstheater, sondern zauberhaftes, poetisches, charmantes, auch lustiges Theater für Kinder in der Werkstattbühne des Stadttheaters Ingolstadt. (...) Regisseurin Julia Mayr verwandelt die nur mit schwarzen Vorhängen und einer rollenden Wand ausgestattete Bühne in ein Fantasiereich mythologischer Geschichten von der Frühgeschichte der Erde und bevölkert sie mit Göttern, Menschen und Tieren, die erfrischend heutige Wesen sind, weil sie aus dem spielerischen Umgang mit einfachen Theatermitteln, der Umdeutung von Kostümteilen etwa, den Fantasieraum sagenhafter Figuren erobern. So originell und voller überraschender Erfindungen, dass auch die Erwachsenen im Publikum voll Entzücken nicht nur kichern, sondern hellauf aufjuchzen. Für die poetische Verwandlung der Bühne, für die Naturgewalten wie Sternenhimmel, Gewitter und Regen, über den Wassern schwebende Vögel oder die magischen, weil vielleicht verwunschenen Bäume sorgen die dezent schwarz-weißen, überwiegend zeichnerischen Videos von Stefano di Buduo, die so gar nichts mit den inflationär eingesetzten Computeranimationen à la Bildschirmschoner zu tun haben. Und die drei jungen Schauspieler Marie Ruback, Barbara Schmick und Lukas Umlauft verwandeln sich wunderbar einfallsreich und mit augenzwinkerndem Charme in die mythologischen Lebewesen. (...) Der Mann verwandelt sich in Jupiter, die Erzählerin in Juno, seine Göttergattin, die blasiert mit großer roter Brille auf einem überdimensionalen roten Stuhl Platz nimmt und den Götterboss, emanzipiert, auf das kleinere Stühlchen verweist. Die elegante rot-schwarze Ästhetik, Lukas Umlauft als smarter Revue-Tänzer und Barbara Schmick als mondäne Göttin, die auf dem Olymp wie in einer Opernloge sitzt, sind bereits eine wunderbare Übersetzung der Götterwelt in eine Theaterfantasie. Und dann erst Marie Ruback als Kuh! Zum Niederknien, wie sie, das verwandelte Mädchen Io, wiederwillig kaut und wiederkäut, ihre rote Zunge herausstreckt, mit ihren Hufen steppt und mit den Castagnettenartigen Vorderhufen klappert. Und schließlich, zurückverwandelt, die zum Hornansatz geflochtenen und vor die Stirn gesteckten Zöpfe löst und die Sprache wiederfindet, und doch bei jedem »M« noch ein bisschen muht. Ein Hauch Tragik in der amüsant reizenden Kuh-Imitation. Und der Knabe Phaeton! Die Füße einer Stoffpuppe in Sneakers schwingen sich aus einem Koffer, dann wird die Puppe mit dem Kopf von Marie Ruback sichtbar. Ein Junge mit Strickmütze und Brille. Hinreißend präzise und witzig bewegt von Marie Ruback und Barbara Schmick, klettert die Puppe mit Menschengesicht eine Wand hinauf, schiebt immer wieder seine rutschende Brille nach oben, reagiert traurig und trotzig, um seinem Vater, dem Sonnengott, eine Fahrt mit dem Sonnenwagen abzuringen. Er platziert sich hinter einer güldenen Scheibe, lässt den imaginären Motor aufheulen und los geht’s. Doch die Fahrt wird zur Katastrophe. Waagrecht in der Luft schwebt der Knabe der Scheibe hinterher, die Sonne gerät aus der Bahn. Tot liegt die Puppe am Boden. Doch die Trauer, der Moment des Erschreckens ist kurz. Die Konferenz der Götter als Showeinlage mit kleinen Rivalitätskämpfen um den Mikrofonständer, die Verwandlung von Barbara Schmick in einen Baum, die große Flut und die Prophezeiung einer Göttin als Schattenspiel: zauberhaft und immer wieder überraschend gelöst sind auch die Momente der Erdkatastrophen und die Wiedervermehrung des Menschengeschlechts. Da können auch Erwachsene mit kindlicher Freude staunen. Und hinter allem Theatervergnügen schimmert als tröstliche Botschaft, tiefsinnig, aber unaufdringlich die Erkenntnis durch, dass nur durch Verwandlung, durch Veränderung Neues entsteht. Gegen diese zauberhafte, sinnliche Aufführung wirkt draußen, vor der Werkstattbühne des Stadttheaters, der Christkindlmarkt mit Kinderkarussell visuell und akustisch als kinderverdummender Kontrast. Leider sind gar nicht soviele Vorstellungen von Ovids »Metamorphosen« in den nächsten Wochen angesetzt. Also keine Angst vor dem Oberstufen-Lateinunterricht-Ovid! Schenken Sie sich und ihren Kindern oder Enkeln diesen Besuch im Jungen Theater des Stadttheaters Ingolstadt.
Claudia Vorndran, Neuburger Rundschau – 21.12.2011
»...Wer Kindern Geschichte so vermittelt, kann nur gewinnen!...«
Lachsalven gab es bei der Premiere im Jungen Theater: Dabei war das Thema ernst. Die »Metamorphosen« von Ovid galten als Grundlage der Verwandlungen, die in der Werkstattbühne stattfanden und wer je im Lateinunterricht den Römer übersetzen musste, dem ist das Lachen schnell vergangen. Jedoch nicht bei der Inszenierung von Metamorphosen von Nils Gredeby durch Julia Mayr. (...) Marie Ruback in der Rolle als Wiederkäuerin war einfach nur umwerfend komisch. Als sie Hufe schwingend, bockig und trockenes Heu wiederkauend ihre unfreiwillige Verwandlung erträgt, bleibt kein Auge trocken. Doch was passierte da auf der Bühne? Da wurden Menschen auf wundersame Weise zu Bäumen. Barbara Schmick in der Rolle der Dryope in von Moos bewachsenen Gummistiefeln schien nahezu zu verwurzeln. Da gab es Schattenspiele als Erklärung für die Kleinsten. Filmeinspielungen brachten den Epos ein wenig zeitnäher und aktueller. Da wurden Blumen zu Pfeilen der Liebe und der Kontrabass untermalte in tiefen Tönen das Geschehen. Die vielen Eindrücke ließen fast ein Varietetheater vermuten. Die Leichtigkeit der Darstellungen übertrug sich auf das Publikum und ließ sie entspannt und amüsiert das Geschehen verfolgen. (...) Hatte doch noch Minuten zuvor schallendes Lachen die Zuschauer zittern lassen, als Marie Ruback dem Göttersohn als aufgeschnallte Bauchpuppe ihren Kopf verlieh. Mit Stöckchen an den Armen verhalf sie ihm zum Leben und schlüpfte in seine Rolle. Da war es letztendlich um die Schwere des Ovid Epos geschehen. Doch selbst der Tod des kleinen Jungen bedeutete keinen Abriss, da die sensible Umsetzung der Trauer, beeindruckend dargestellt von Barbara Schmick, die Metamorphosen noch einmal bewies. »Nichts geht zu Grunde, sondern es wandelt sich nur«. Vielen Dank für so einen modernen und doch so respektvoll umgesetzten Römer. Wer Kindern Geschichte so vermittelt, kann nur gewinnen!