Der Messias

Weihnachtskomödie von Patrick Barlow

unter Mitarbeit von Jude Kelly und Julian Hough

Heiliges Land. – Der eine wollte eigentlich immer Balletttänzer werden, der andere hat eine gloriose Vergangenheit als Kaffeefahrten-Vertreter hinter sich – aber zusammen wollen Bernhard und Theo jetzt endgültig durchstarten mit ihrem eigenen Laientheater, das sich neben umfassendem spirituelltheatralischen Service vor allem vorgenommen hat, ausschließlich bedeutende Werke der Weltliteratur zu präsentieren. Da liegt die Weihnachtsgeschichte natürlich auf der Hand – mit allem, was die Bibel hergibt: Engel, Hirten, bellende Kamele, Juden, Römer und natürlich Josef und Maria. Mit vollem Elan, heiligem Ernst und ohne Rücksicht auf Verluste stürzen sich Bernhard und Theo hinein in den Ursprung des Abendlandes. Selbstverständlich übernehmen sie dabei nicht nur alle Rollen höchstpersönlich, sondern haben sogar noch einen ›special guest‹ in petto, die angeblich äußerst talentierte und erfolgreiche Opernsängerin Erna Timm. Als die sich allerdings verspätet, weil sie die U-Bahn verpasst, beginnen die ersten Schwierigkeiten des Abends – denn es bleibt leider nicht bei dem einen Mal, dass die schnöde Theaterwirklichkeit den liebevoll von Theo und Bernhard eingerichteten schönen Schein einholt. Zwischen Improvisation und Diskussion und vor allem mit unumstößlichem britischen Humor lavieren sich die drei allerdings erst recht unbeirrt lustvoll der Erlösung entgegen: Halleluja!
Regie: 
Manuela Brugger
Ausstattung: 
Steven Koop
Musikalische Einrichtung: 
Tobias Hofmann
Dramaturgie: 
Knut Weber
Premiere am ,
Studio im Herzogskasten
Dauer: 105 Minuten, mit Pause
Isabella Kreim, Kulturkanal – 30.11.2011
»...ein turbulenter Bühnenspaß...«
(...) Der Übereifer, mit dem die Würde von Gott selbst mit Donnerblech und Wasserpfeife, rasche Kostüm- und Rollenwechsel bewältigt, Schafe, bellende Kamele, Reitpferde improvisiert, die Geburt, von zwei Männern und einem Stuhl dargestellt, Engelsflügel getauscht, Windmaschinen in Bewegung und Schauplatzwechsel improvisiert werden müssen ist genauso komisch wie die Erschöpfungs- und Verzweiflungszustände der überforderten Darsteller. "Der Messias" ist also ein turbulenter Bühnenspaß über Theaterspielbegeisterung und Frust, Pannen und Notlösungen, um einen erhabenen Stoff auf die Bühne zu wuchten. Selbst die Einbeziehung des Publikums als tobende Volksmenge mit vorzulesenden Zwischenrufen ist eine Mords Gaudi. Ein klein wenig besinnlich wird es dann doch, wenn die beiden Darsteller auf der privaten Ebene kurz vor dem totalen Fiasko um Anerkennung und den Erhalt ihrer Freundschaft ringen. Aussteigen oder Weitermachen? Die Reprise der Verkündigungsszene wird zu Belastungsprobe der Freundschaft. Wird Bernhard wieder eine imaginäre Katze auf Marias Arm ins Spiel bringen, um seinen Bühnenpartner als Josef aus dem Konzept zu bringen? Wird er wieder eine quietschende Tür imitieren, damit Josef erstmal mit einem pantomimischen Ölkännchen Abhilfe schaffen muss? Bühnenbildner Steven Gordon Koop spannt einen roten Bühnenvorhang, in den sich Maria als wabernden Umhang wickeln kann. Aus Kisten lassen sich überraschende Requisiten holen und in eine zwängt sich Bernhard, wenn Herodes in die Katakombe steigt. (...) Nik Neureiter und Alexander Weise gehen schweißtreibend in die Vollen in der Darstellung von bayerischem Bürgermeister von Nazareth oder eitlem römischen Legionär, imitieren großes Theater und spielen nicht ohne Tragikomik großes Scheitern. Neureiter als Theodor gibt den hohen Ton und den ernsthaften Anspruch als Darsteller wie in seinen Regisseursattitüden vor. Alexander Weise ist der leidgeprüfte Hiwi, der regiemäßig wenig mitzureden hat. Aber er zeigt sein Bemühen in herrlich komischer, wild gestikulierender Körpersprache, seiner „Esperanto-Choreographie“, oder als melancholische Maria und als irrer Herodes. Und besonders komisch ist Weise als heulendes Elend oder missmutig weiterspielender Bühnenpartner, der mit kleinen subversiven Aktionen versucht, seinen Partner zu irritieren. Mit sparsamen Mitteln konterkariert Ulrike Deschler als Souffleuse und Opernsängerin das extrovertierte Bühnentreiben der Männer: ein indignierter Seitenblick, entrüstet hochgezogene Augenbrauen oder die verlegene Freude an der Rampe zu stehen, um mit Arien und Rezitativen aus Händels „Messias“ die Würde der Aufführung zu retten. Ulrike Deschler hat nach ihrer Konzertsängerinnen-Karriere jahrelang als Souffleuse am Theater Ingolstadt gearbeitet. Ihr ist nun ein überzeugendes Bühnencomeback gelungen. Sie kann nicht nur singen, sondern hat auch einen zauberhaft komischen Charme, eine Giulietta Masina des Stadttheaters Ingolstadt. Mit "Der Messias" hat Manuela Brugger, die erfahrene Schauspielerin, zum ersten Mal Regie geführt. Es ist ein Wagnis, das Regiedebüt mit einer Slapstick-Komödie zu geben, also einem Genre, das vor allem routiniertes Handwerk erfordert. Brugger hat aus den Schauspielern viele Einfälle, darstellerische Facetten und Lust an der Charge heraus gekitzelt und auch dafür gesorgt, dass der Klamauk Witz und Charme behält. Aus Maria wird keine Travestie-Comedy und die Überforderung von Theo und Bernhard wird ernst genommen. (...)
Peter Skodawessely, Neuburger Rundschau – 30.11.2011
»Selten so gelacht!...«
Selten so gelacht! Wer sagt denn eigentlich, dass die Weihnachtsgeschichte immer ernst, würdig und erhaben auf einer Bühne dargestellt werden muss? Es geht auch anders – und das wie! (...) Ingolstadts Intendant Knut Weber und sein Team hatten die gute Idee gehabt, diese herrlich chaotische Komödie endlich auch an die Donau zu holen. Und ein noch besserer Einfall von ihm war es, Regienovizin Manuela Brugger die Inszenierung zu übertragen. In Ingolstadt als Schauspielerin schon lange geschätzt (...) - bewies sie jetzt am Sonntagabend bei der umjubelten Premiere von Patrick Barlows „Der Messias“ im Studio im Herzogskasten, dass sie auch das Regiehandwerk beherrscht: Mit sicherem Gespür für Komik der wunderbarsten Sorte lässt sie den Akteuren auf der kleinen Bühne viel Freiheiten, zieht aber erkennbar die Inszenierungszügel wieder an, wenn es gilt, das Tempo zurückzunehmen, um so auch für – einige wenige – nachdenkliche Momente zu sorgen. Zugegeben: Manuela Brugger hatte das Glück, mit Nik Neureiter und dem extra dafür nach Ingolstadt geholten Alexander Weise zwei ungemein spielfreudige Akteure zur Verfügung zu haben. Nicht zu vergessen Ulrike Deschler, die – Überraschung! – als „Special Guest“ auf die Bühne geholt wurde. Die ausgebildete Opernsängerin, beim Ingolstädter Theater schon lange als Souffleuse tätig, setzte den prächtig ernst gespielten (und gesungenen!) Kontrapunkt zu dem turbulenten Treiben von Neureiter und Weise. Die in einem Theater spielende Aufführung des weihnachtlichen Krippenspiels mit den beiden Protagonisten Theo und Bernie – der eine etwas abgeklärt jovial, der andere sich leicht an der Grenze zur Debilität bewegend – geriet dann auch angefangen vom ersten Klopfen des Erzengels an Marias Tür bis zur letztendlichen Geburt Christi zu einem Dauerfeuerwerk an schwarzem Humor. Immer wieder unterbrochen von ihrem persönlichen Kleinkrieg zeigten Theo und Bernie, die sämtliche Rollen – Tiere inklusive! – darstellen, die Ehe-Probleme Marias und Josefs ebenso auf wie die Beratungen zwischen Gott und Gabriel über das Schicksal der Welt und die durchaus nachvollziehbare Diskussionen über die unbefleckte Empfängnis zwischen Maria und Josef - Slapstick dabei nicht scheuend. (...)