Midsummer – Eine Sommernacht

Ein Stück mit Songs von David Greig/Gordon McIntyre

Edinburgh. – In einer Weinbar wartet die Scheidungsanwältin Helena auf ihren verheirateten Liebhaber. Er hat sie wieder einmal versetzt. Bob, ein unauffälliger Kleinkrimineller, wartet in der gleichen Bar auf einen Auftrag. Sie stürzen sich in einen alkoholisierten One-Night-Stand. Aber sie begegnen sich wieder. Und was keine Zukunft zu haben schien, geht in die zweite Runde: eine lange, magische Mittsommernacht, in welcher die beiden 15.000 Pfund auf den Kopf hauen. Eine wahnsinnige, schräge Liebesgeschichte mit Musik.

 

»Zart, komisch, aber niemals kitschig, ist ›Eine Sommernacht‹ eine echte Rarität: eine Liebeskomödie mit soviel Verstand wie Herz. Durchzogen von wehmütig-ironischen Songs, verleiht die fantastische Idee, wir könnten unser Leben selbst in die Hand nehmen und uns neu erfinden, dem Stück sein emotionales Fundament. Das Leben ist kein Hollywoodfilm: Alles ist anstrengend und chaotisch. Kaum auszuhalten, dieser Realismus, sollte man meinen, stattdessen schwebt man auf einer Wolke aus Gelächter aus dem Theater.« (The Guardian)

 

Für alle Fans: Auf Google-Maps kann die wilde Reise durch die Nacht nachverfolgt werden - mit Bildern von Helena und Bob!

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Inszenierung: 
Daniel Ris
Ausstattung: 
Steven Koop
Musikalische Leitung: 
Tobias Hofmann
Dramaturgie: 
Annabelle Köhler
Premiere am ,
Studio im Herzogskasten
Dauer: 110 Minuten
Peter Skodawessely, Neuburger Rundschau – 21.10.2011
»...ein wahres Feuerwerk an inszenatorischen Ideen und Gags...«
(...) Seit diesem Mittwoch nun gibt es hier wieder einen »Renner« [im Studio, Anm.d.Red.], nämlich den Theaterspaß »Midsummer - Eine Sommernacht«. Man braucht kein Prophet sein, um schon jetzt jede Menge ausverkaufter Vorstellungen zu prognostizieren. (...) Autor David Greig fasziniert durch die Schnelligkeit und Lebendigkeit der Dialoge und mit seinem Sinn für Slapstick-Comedy - ohne dabei ans Klamottenhafte abzudriften. (...) Renate Knollmann und Peter Reisser nutzen zum hörbaren Vergnügen der Zuschauer - und wohl auch zum eigenen - die Möglichkeiten der Vorlage zu darstellerischen Parforce-Ritten und zum Präsentieren all ihrer schauspielerischen Qualitäten. Renate Knollmanns stimmliche Interpretation von Bobs süß lispelnendem Penis zum Beispiel war ein Kabinettstückchen und einer der »Brüller« des ebenso kurzweilgen wie amüsanten Abends. Der wahre Star der Produktion aber ließ sich erst ganz am Ende, während des Schlussapplauses des begeisterten Premierenpublikums, auf der Bühne blicken und auch da nur ganz kurz: Regisseur Peter Ris. Der erstmals nach Ingolstadt verpflichtete 47-Jährige hatte in »Midsummer« nämlich ein wahres Feuerwerk an inszenatorischen Ideen und Gags - kleinen und großen - abbrennen lassen. Und trotzdem ein feines stilsicheres Gespür bewiesen für die Doppeldeutigkeiten und die manchmal auch nachdenklichen Aspekte des 110-Minuten Stücks. Intendant Knut Weber wäre gut beraten, Daniel Ris für weitere, auch größere Produktionen wieder hierher zu holen; das Ingolstädter Publikum würde es ihm mit Sicherheit danken.
Isabella Kreim, Kulturkanal – 20.10.2011
»...sehr amüsant und saukomisch...«
(...) Sie treten als scheinbar objektive Erzähler auf, springen aus der Rückblende in den aktuellen Dialog, geben saukomisch ihre inneren Monologe z.B. beim Sex preis, fallen sich gegenseitig korrigierend ins Wort wie ein altes Ehepaar, das die Beschönigungen oder Erinnerungslücken der Version des anderen entlarvt oder sarkastisch kommentiert, sie schlüpfen in die Rollen eines quengelnden Kindes oder des Gangster-Bosses und sie gestalten die Ereignisse als großen Hollywood-Film, romantische Komödie, Zufalls-Kartenspiel oder Video-Konferenz mit sich selbst. Die Vorlage des versierten schottischen Regisseurs, Autors und Dramaturgen David Greig reizen Regisseur Daniel Ris und die beiden Darsteller Renate Knollmann und Peter Reisser mit viel Witz und Spielfreude aus. Peter Reisser ist mürrisch und liebenswert, ein Loser mit unfreiwilligem Charme, Renate Knollmann kann ebenso perfekte Businesslady wie fassungslos und konfus sein. Beide sind wunderbare Chamäleons unterschiedlicher Rollenspiele - mit viel Selbstironie und trockenen Pointen. Sehr amüsant, wie sie gleich bei der Schilderung ihrer ersten Begegnung sekundenschnell die Erzählhaltung wechseln und - seitenverkehrt am Tresen - mehrere Varianten derselben Anmach-Situation durchspielen. Saukomisch, wie sie bei ihrem One-Night-Stand kopfunter rücklings über dem Tresen liegen oder bei ihrer nächtlichen Edinburgh-Tour in einem japanischen Sado-Maso-Club auf dem Tresen »gefesselt« ineinander verkeilt, die schmerzlichen Geheimnisse ihres Lebens ausplaudern. Renate Knollmann spielt herrlich den Gangster-Boss oder spricht mit lispelnder Kinderstimme Bobs »bestes Stück« im Zustand des Katzenjammers nach der ersten gemeinsamen Nacht. Ausstatter Steven Gordon Koop hat mit einer stabilen Theke, einem Hocker und einem Dia-Projektor alles geliefert, womit sich die Edinburgh-Tour inclusive Fernsehformaten wie Talk-Show und Wetterbericht imaginieren lässt. Dass Knollmann und Reisser auch super gut singen und sich selbst auf der Gitarre begleiten können, macht auch die Songs, die vom Choral bis zum Rock-Song alle Genres durchspielen, zu Glanzlichtern des Abends. Raffiniert ist auch die weitere akustische Ebene: Da werden mit einem kleinen Keyboard Rhythmusmaschine, Musikbett oder die elektronischen Sounds von SMS-Nachrichten und andere Geräusche simuliert und Peter Reisser imitiert herrlich eine monotone Mailbox-Stimme. Gegen Ende dieses langen Midsummer-Wochenendes geht der Geschichte und den unterschiedlichen Erzählhaltungen allerdings ein bisschen die Luft aus. Dennoch ist »Midsummer- Eine Sommernacht« ein amüsanter Theaterabend, der vor allem etwas über die variantenreiche Lust am Rollenspiel erzählt. Und die Botschaft kommt aus dem Parkschein-Automaten: »Change is possible«.