Ein Münchner im Himmel und andere Schmankerl

Auf den Spuren bayerischer Volkssänger und Philosophen

München. – Wenn einer in München am Hauptbahnhof stirbt, weil er keinen Schlaganfall nicht überleben kann, kommt dieser, wenn er einigermaßen brav war, in den Himmel. Dann bekommt er dort seine himmlischen Tätigkeiten zugewiesen: Frohlocken, Hosianna- Singen undsoweiter. Das wäre weiter nicht der Erwähnung wert. Aber im Falle des Alois Hingerl, Dienstmann Nr. 172, ist das anders. Renitent und aufsässig, ist er im Himmel nicht länger beliebt, so dass der Liebe Gott eine andere Aufgabe für ihn finden muss, die wo dem Alois besser passen tut.

 

Die Schauspieler Tobias Hofmann und Thomas Unger, zwei waschechte Münchner, nehmen in ihrem Programm ein Lehrstück bayerischer Philosophie vergnügt ins Visier... Es ist dies der ganz persönliche Versuch der Vermittlung bayerischer Denkart. Neben Texten von Valentin, Thoma und einigen anderen gibt’s natürlich jede Menge Musik.

Premiere am ,
Kleines Haus
Dauer: 60 Minuten
Peter Skodawessely, Neuburger Rundschau – 12.12.2011
»...höchst vergnüglich...«
(...) Tobias Hofmann (...), seit Herbst musikalischer Leiter des Hauses, und – als Gast – der vom Fernsehen bekannte Thomas Unger begaben sich darin unter der Überschrift „Ein Münchner im Himmel und andere Schmankerl“ höchst vergnüglich auf die Spuren bayerischer Volkssänger und Philosophen. Über eine Stunde lang unterhielten dabei die beiden gebürtigen Münchner das begeisterte Premierenpublikum mit Texten und Liedern (...). Am Schluss dann gab es passend zum Motto des Abends Weißwürste und Freibier für alle. Und das wird auch bei den weiteren Vorstellungen so sein. Bayerisches Gemüt und bayerischer Magen - was willst Du mehr!?
Christian Muggenthaler, Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung – 14.12.2011
»...höchst erheiternde altbairische Nummernschau...«
(...) Unter dem Titel »Ein Münchner im Himmel und andere Schmankerl…« ist jetzt im Kleinen Haus des Stadttheaters Ingolstadt eine kleine, höchst erheiternde altbairische Nummernschau mit Kurzwerken von Ludwig Thoma bis zur Biermösl Blosn zu sehen. (...) Die beiden Münchner Schauspieler Tobias Hofmann und Thomas Unger nisten gemütlich in den Schief- und Tiefdenkereien südbayerischer Philosophie, die eigentümlich konsequent und stetig auf die besonders irrsinnigen Aspekte des Lebens eingeht. Der Bayer charmiert in seiner ihm wesensmäßigen kommunikativen Zurückhaltung gern einmal mit hintersinnigen Betrachtungshaltungen: Unterhalb Frankens lebt ein Volk von Sphingen. Eingerahmt von populären Lachnummern, zielt der Ingolstädter Abend denn auch pfeilgerade auf die hoch literarischen Stärken von gnadenlosen Alltagsabfieslern und Weltenzertrümmerern wie Karl Valentin und Gerhard Polt. Hofmann und Unger arbeiten in Kurzdialogen wie »Der Springbrunnen« (Valentin) und »Abblendlicht« (Polt) die ganze Schönheit des Absurden aus derlei Texten heraus, unterstrichen von eigenen existenzialistischen Blödeleien und musikalischen Einsprengseln. Die reichen von modernem steirischem Rap (»Acht Händ« von Attwenger) bis zu lebensbejahenden traditionellen oberpfälzischen Zwiefachen (»Leit, Leit, Leitl, müaßt''''s lustig sein«). Derlei Musikschaffen ist derzeit vor allem in der Landeshauptstadt recht populär, mit leichter Hand schaffen es die beiden Münchner deshalb, ihre literarische Welt des Absurden melodiös zu würzen. Und wenn dann noch der beiden Fähigkeit, unfassbar blöd dreinzuschauen, auf die wahre Erkenntnis des Lebens in einer vom Bein weg rätselhaften Welt trifft, dann werden auch Sketch-Klassiker wie Valentins »Der reparierte Scheinwerfer« völlig neu interpretiert: Da ist sie dann wieder, die ganze Tücke des Objekts, zum Brüllen komisch und ein Garant dafür, dass Hofmann und Unger auch einen ganzen Abend des großen Münchners locker stemmen könnten und einen Abend »auf den Spuren bayerischer Volkssänger und Philosophen« leichthin meistern.
Isabella Kreim, Kulturkanal – 29.12.2011
»Sakrisch guad«
(...) Wer die vertrackte Logik von Karl Valentin liebt und a gscheide Stubenmusi, der braucht sich um das Bayernbild, das er verbreitet, keine Sorgen zu machen. Der neue Musikalische Leiter des Stadttheaters Ingolstadt, Tobias Hofmann, und sein Schauspielerkollege Thomas Unger präsentieren einen vergnüglichen, heiteren, absurden Abend aus Texten und Musik im Kleinen Haus des Stadttheaters Ingolstadt. (...) Und dazu kommt noch der »Sackzement luja sag i«, frohlockende Dienstmann Alois Hingerl aus Ludwig Thomas »Ein Münchner im Himmel«. (...) Dieser Bayern-Abend ist zwar lustig, aber keine bloße Gaudi. (...) Und Karl Valentins Dialog über den Springbrunnen, der nicht springt, wird mit stoischem Understatement präsentiert. Drei mal, wie eine Endlosschleife der Absurdlogik, mit wechselndem Untertext: Der kurze Weg von der Alltagsfrage zum dadaistischen Nonsens. Die beiden treiben originellen Unsinn, spielen ein Musikstück für Staubsauger und Schublade oder blasen »So lang der alte Peter« auf halbgefüllten Bierflaschen. Aber Hofmann und Unger schlagen nicht selbstdarstellerisch über die Stränge. Weil: Der bayerische Humor ist besonders komisch, wenn er eine verdammt ernsthafte Angelegenheit ist. Und so erweisen sich die beiden als Meister der gespielt unfreiwilligen Komik. Da wird begriffsstutzig oder verschmitzt geschaut, Pointen kommen mit Pokerface. Mit schöner Unbefangenheit und spielerischer Leichtigkeit präsentieren die beiden Hinterfotziges oder Gstanzln, die nicht so recht zum Schunkeln taugen. Der Abend hat kein aufgesetztes stilistisches Korsett und eigentlich auch keine Mässitsch. Und das ist gut so. Sakrisch guad.