Grimmige Märchen

von den Gebrüdern Grimm

Szenische Lesung

Deutscher Wald. – Wer kennt sie nicht, die Märchen der Gebrüder Grimm aus seiner Kindheit? Märchen, die der Fantasie Flügel verleihen und zum Träumen verführen. Märchen, in denen die Naturgesetze aufgehoben sind und in denen das Wunder vorherrscht. Am Märchenende sind alle Gefahren bestanden und das Böse gebannt, so scheint es… Aus der Traum vom schönen Märchen, wenn sich der Vorhang hebt und von wahrlich »grimmigen Märchen« zu berichten ist, mit Lust das Fürchten gelehrt wird und mit schurkischem Vergnügen bewiesen wird, dass bei weitem nicht in allen Märchen das »Gute« siegt. Ein wahrlich teuflischer Märchenschmaus!

 

Eintritt: 10,-/ermäßigt 8,-

Szenische Einrichtung: 
Knut Weber
Premiere am ,
Kleines Haus
Dauer: 90 Minuten
Isabella Kreim, Kulturkanal – 14.11.2011
»...Minidramen mit klassischem Suspense...«
Kontrastprogramm zu »Peterchens Mondfahrt«, zu den blinkenden Sternen der guten Kinder, die noch nie ein Tier gequält haben und auch den Mann im Mond unblutig besiegen: Im Kleinen Haus des Stadttheaters lässt Knut Weber »Grimmige Märchen« erzählen. (...) Minidramen mit klassischem Suspense, Urängste und drastische Horrorbilder gehen bei dieser Auswahl eine wirkliche grimmige Mischung ein. Und wenn einer besonders grausam gestorben ist, kichern sie hämisch-genüsslich, die vier Märchenerzähler mit ihren morbide weiß auf uralt geschminkten Gesichtern, den langen Haaren, den aufwändigen Märchenkostümen auf ihren Thronsesseln, die da aus ihren schlichten schwarzen Märchenbüchern vorlesen. Auch dies ist eine »grimmige« Idee: Die Erzähler sind selbst makabre Märchenfiguren und verkörpern so gar nicht die Märchenkompetenz einer gütigen Großmutter. Und es gibt viele grausame Tode in dieser Märchenauswahl, die Knut Weber ausgesucht und als szenische Lesung präsentiert hat. Da werden Hände mit scharfen Messern abgeschnitten, wird jemand in die glühende Esse geschoben, weil man meint, dies sei eine Verjüngungskur, wird ein Fuhrmann von einem Sperling so lange geneckt, bis dieser seinen vier Pferden und seine Frau schließlich ihm selbst den Kopf spaltet. Und besonders gruselig: Kinder spielen Schlachten – und ein Kind ist der Metzger, ein anderes das Schwein. Nicht zur Nachahmung empfohlen. (...) Die »Grimmigen Märchen« sind jedenfalls heftige Kost – im scheinbar malerisch-märchenhaften Gewand der drei Märchenerzähler Doris Buchrucker, Peter Greif und Karl-Heinz Habelt, die deliziös und infam die Fährte Märchenton auskosten, die Figuren plastisch entstehen lassen und wieder sarkastisch in einen ungerührten Erzählton wechseln und mit kleinen Kommentaren sogar Witz in die dramatischen Geschichten bringen. Besänftigend singt Ulrike Deschler dazwischen Schubert-Lieder Auch die bekannten Märchen Rapunzel, Rotkäppchen oder Rumpelstilzchen werden vorgetragen. Die Vertrautheit mildert den Schrecken, dass sich Rumpelstilzchen entzwei reißt oder Großmutter und Rotkäppchen vom Wolf verschluckt werden. Übrigens: Ein Junge hat während der Lesung der »Grimmigen Märchen« ungerührt seine Butterbreze aus dem Rucksack gewühlt und gegessen. Das mag nicht gerade von Respekt vor den Schauspielern zeugen. Der Appetit ist ihm aber vor lähmendem Entsetzen über diese gruseligen »Grimmigen Märchen« offenbar nicht vergangen. Dennoch: Nicht unbedingt etwas für sensible (Kinder-) Seelen!