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Pimpinone oder Die ungleiche Heirat - Pressestimmen

Isabella Kreim, Kulturkanal – 16.01.2012
»Ein Labsal für alle Sinne...«
(...) Ein gelungenes Pilotprojekt. Denn was Ingolstadts neuer Theaterintendant Knut Weber unter Junger Oper versteht, ist damit nun zu erleben: Ein Labsal für alle Sinne - Oper hautnah, amüsant und menschlich. Mit zwei wunderbaren Sängerdarstellern und mit Ariel Zuckermann und 10 Georgischen Streichern als Mitakteuren auf der Bühne, witzig und intelligent inszeniert von Knut Weber - als vergnügliche Vogel-Hochzeit und tragikomische Beziehungs-Parabel. (...) Knut Weber hat diese Petitesse von Georg Philipp Telemann, ein fast 300 Jahre altes Intermezzo, gedacht als Pausenfüller zwischen einer ernsten Händel-Oper, zu einem komödiantischen Kleinod und anrührend zeitlosen Ehedrama aufgewertet. Jede Nuance der musikalischen und situativen Komik wird ausgelotet und hinter der kunstvollen und gelb-rokoko-fröhlichen Tiermetapher kommt die menschliche Psychologie nicht zu kurz. (...) Die steifen Abziehbilder der Commedia dell’Arte-Typen gewinnen als Kanarienvogel und Pfau spielerische und ästhetische Raffinesse. Und hinter der kuriosen Vogel-Parabel, die den beiden Sängerdarstellern ein originelles Repertoire an spielerischem Witz ermöglicht, entwickelt Weber subtil eine zeitlose Beziehungs-Tragödie. (...) Witzig setzt Weber die Endlos-Wiederholungen der Barock-Arien in Aktionen um. Pimpinone geht von Musiker zu Musiker und schließlich zu den Zuschauern, um jedem aufgeregt zu erzählen, wie verwirrt ihn dieses junge Mädchen mache. Nur Ariel Zuckermann lässt ihn nicht zum Männergespräch neben sich auf die Cembalobank, weil er schließlich arbeiten, sprich weiter dirigieren, müsse. (...) Die Ausstattung von Steven Koop und Ursina Zürcher und die beiden wunderbaren Sänger-Darsteller, der finnische Bariton Tero Hannula und die dänische Sopranistin Berit Barfred Jensen stammen aus der Produktion des Staatstheaters Karlsruhe, wo Knut Weber »Pimpinone« vor einigen Jahren als sein Opernregie-Debüt inszeniert hat. Berit Barfred Jensen ist eine zierliche, kapriziöse und raffiniert verführerische Vespetta und Tero Hannula ein komödiantisch begabter Sänger, der mühelos Zwischenkommentare in die Arien einflicht und ganz wunderbar einen unbeholfen Liebessüchtigen spielt. Ein unberechenbarer Liebhaber, der mit seiner täppischen Art auch mal Grenzen überschreitet. Herrlich seine Arie, in der er im Falsett das Getratsche seiner Frau und ihrer Freundin nachäfft und dabei zwei Handpuppen aufgeregt plappernd agieren lässt. (...) Ein weiterer Glücksfall für diese Wiederaufnahme in Ingolstadt ist die Zusammenarbeit mit Ariel Zuckermann und 10 Streichern des Georgischen Kammerorchesters. Funken sprühend, elektrisierend, feurig und subtil klingt Telemanns ungemein abwechslungsreiche, dynamische Musik und das Intermezzo erweist sich, so gespielt, als Meisterwerk. Ariel Zuckermann begleitet die Rezitative der Sänger außerdem mit traumhaft sicherem Einfühlungsvermögen am Cembalo. Und es macht einen Riesenspaß, wie diese Musiker sich von Vespetta umschmeicheln und umgarnen lassen. Pimpinones Geldschatz ist gleichzeitig die in einem Kissen verstaute Gage der Musiker, auf der der Maestro Ariel Zuckermann im wahrsten Sinn des Wortes sitzt. Und als Vespetta an dieses Geld will, verlassen die Musiker protestierend ihre Pulte. Tero Hannula versucht ein paar Verlegenheitseinlagen als Faust und Hamlet. »Abgehen oder Nicht abgehen, das ist hier die Frage«. Bühnenspaß auf allen Ebenen also. Ein von Witz, feinsinnigen Beziehungskonflikten und musikalischem Esprit funkelndes Kleinod ist diese Kammeroper »Pimpinone« im Kleinen Haus. (...) Den Beitrag können Sie hier anhören: http://www.radio-in.de/default.aspx?ID=5770&showNews=1100259#audio
Verena Roelen, Kultur pur/IN-TV – 19.01.2012
»...erfrischendes Musik-Theater-Kleinod...«
(...) Die Handlung überzeugt mit Witz und Esprit, die Musik ist facettenreich und eingängig. In Ingolstadt wunderbar dargebracht von zehn georgischen Streichern unter der Leitung von Ariel Zuckermann. Der ehemalige Chefdirigent des Georgischen Kammerorchesters ist erstmals am Cembalo und als Dirigent zu erleben. Zuckermann ist begeistert von der Produktion »Pimpinone«. Und von der erstmaligen Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Ingolstadt. (...) Die Georgier und ihr musikalischer Leiter sind mit hör- und sichtbarer Spielfreude bei der Sache. Immer wieder mischen sie auch beim Bühnengeschehen mit: Die Musiker flirten mit Vespetta, verlassen empört die Bühne und lassen sich von ihr bezahlen. Regisseur Knut Weber spart nicht mit witzigen Einfällen und aktuellen Bezügen. (...) „Pimpinone oder die ungleiche Heirat“ überzeugt durch erstaunlich aktuellen Inhalt, großartige Sänger, hinreißende Kostüme und hochmotivierte Musiker. Alle Komponenten machen diese komische Oper zu einem erfrischenden Musik-Theater-Kleinod im Kleinen Haus in Ingolstadt. Der kultur-pur-Tipp: Unbedingt ansehen! Link zum Beitrag: http://www.intv.de/index.php?option=com_hello&Itemid=41
Die Rheinpfalz – 13.12.2007
»...verspielt, pfiffig, unterhaltsam...«
»Durch eine kammermusikalische Besetzung mit einem Streichquintett und Cembalo - vom Dirigenten Ulrich Wagner gespielt - erfuhr Telemanns Partitur durchweg adäquate Aufführung. Webers Inszenierung - in Steven Koops sparsamer, dabei eleganter stilisierter Ausstattung, mit fantasievoll charakterisierenden Kostümen von Ursina Zürcher - gab sich verspielt, pfiffig, wirkte stets unterhaltsam, zeigte sich in keinem Augenblick um Einfälle verlegen und wartete mit launigen, zuweilen exzentrischen Gags auf. Ein Glücksfall der Produktion waren die beiden Darsteller Tero Hannula (Titelrolle), ein Erzkomödiant mit sonorem Bariton, und die charmant und beschwingt agierende Berit Barfred Jensen (Vespetta), mit Spielwitz, angenehmer Sopranfarbe und geläufigen Koloraturen, profilierten sich als erstklassige Sänger-Schauspieler.«
Badisches Tagblatt – 17.11.2007
»...zündet in jeder Szene...«
»Eine zeitlos-klischeehafte Geschichte, die in jeder Szene zündet: Georg Philipp Telemanns komische Oper >Pimpinone oder Die ungleiche Heirat< erzählt von einem armen Kammermädchen, das sich finanziell verbessern möchte und sich zwecks Ehe einen reichen, jedoch gebrechlichen alten Herrn angelt. Die Oper, einst als Intermezzo für Händels >Tamerlano< uraufgeführt, dauert eine gute Stunde und bringt in kleiner Besetzung jede menge Spielwitz und musikalischen Finessen auf die Bühne - sie ist demnach bestens auch als >Opern-Einstieg< für Jugendliche geeignet. [...] Ein kurzweiliges Zwei-Personen-Stück, hinreißend komisch sind die beiden Darsteller: Tero Hannula (Pimpinone) und Berit Barfred Jensen (Vespetta) nutzen jedes Rezitativ, jede Bewegung in der Musik, um sie humorvoll auszuschlachten; gewitzt und agil begleitet derweil das Instrumentalensemble die fulminanten Szenen, deren Ouvertüre und Zwischenaktmusiken der Streicher-Suite >La Putain< von Telemann entnommen sind. Das Publikum reagiert begeistert.«
Badische Neueste Nachrichten – 17.11.2007
»...ein durch und durch vergnüglicher Abend...«
»Ein ganz und gar unzeitgemäßes Spiel um Weibermacht und Männerschwäche, das Telemann mit einer Serie von hübschen Kabinettstückchen für die beiden beteiligten Sänger würzt - etwa mit einer Arie, mit der der zunehmend gerupfte Pfau Pimpinone seine Verwirrung musikalisch hörbar macht, mit koketten Kaskaden der Verführung, die Vespetta wie erotische Leimruten auslegt, mit einem furiosen Zank-Duett und einem drolligen Klatsch-Terzett, in dem Pimpinone mit Alt- und Sopran-Kopfstimme zwei eifernde Plaudertaschen gleich mit markiert. Das ist von unbekümmerter Lust und virtuoser Geläufigkeit - und in der reduzierten Begleitung durch Cembalo und Streicher von glänzendem Geschick. Kein Wunder, dass der Karlsruher Schauspielchef Knut Weber sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen mochte, um sein spätes Debüt als Opernregisseur zu feiern. [...] Weber hat einen durch und durch vergnüglichen Abend geschaffen, für dessen ausgiebigen Premierenerfolg das Stück die besten Voraussetzungen bietet. [...] Die 80-minütige Aufführung im entzückenden, obschon bescheidenen Bühnenbild von Steven Koop lebte vor allem von den beiden vorzüglichen Protagonisten. Die dänische Sopranistin Berit Barfred Jensen war eine mit allen Wassern gewaschene Vespetta, die die gleisnerischen Winkel- und Wesenszüge dieser reizenden Figur durch grandiose Stimmkunst wie suggestive Darstellung glaubwürdig vermittelte, und ihr finnischer Kollege Tero Hannula, als Kammersänger eine langjährige Säule der Karlsruher Oper, kollerte sich als Pimpinone mit geschickt geführtem und wirkmächtig moduliertem Buffo-Bariton durch die komödiantischen Strudel seiner Partie. Ulrich Wagner am Cembalo führte launig durch den musikalischen Wundergarten und fügte als kommentierende Zwischenspiele einige Stücke aus Telemanns Suite >La Putain< ein - ein saftiger Kommentar zum szenischen Geschehen, denn der Titel heißt >Die Hure<, und wenigstens das erhellt ein wenig den Sieg Vespettas über den alten Lustgreis...«