Der Theatermacher

von Thomas Bernhard

In der MTV-Gaststätte

Bitte beachten Sie die neue Spielstätte, Anfahrtsplan hier: http://www.theater.ingolstadt.de/anfahrt.cfm

 

Utzbach wie Butzbach. – Ein trostloser Tanzsaal im Gasthof »Schwarzer Hirsch«. Der Staatsschauspieler Bruscon ist mit seiner Theatertruppe – die aus seiner Familie besteht – in dieses schauerliche Provinznest gekommen, um sein Werk »Das Rad der Geschichte« zu spielen. Der Saal ist feucht und staubig, die Truppe nicht in bester Verfassung; ob das Notlicht ausgeschaltet werden darf, um absolute Finsternis zu erzeugen, ist zweifelhaft; und Bruscon verschont niemanden mit seiner Tyrannei. Ein Künstlerdrama, das naturgemäß in einem tragischen Fiasko endet.

 

»Der Theatermacher« basiert auf einem Streit um das Notlicht in der Salzburger Festspielaufführung von »Der Ignorant und der Wahnsinnige« 1972. Damals bestand Bernhard auf absoluter Dunkelheit, die feuerpolizeilich aber nicht durchzusetzen war. »Eine Gesellschaft, die zwei Minuten Finsternis nicht verträgt, kommt ohne mein Schauspiel aus«, kommentierte Bernhard damals. 13 Jahre später fand die Uraufführung von »Der Theatermacher« bei den Salzburger Festspielen statt und das Stück wurde, gespickt mit einer ordentlichen Portion Selbstironie, zum komischen Gleichnis über das aussichtslose Streben des Künstlers nach Perfektion in einer kultur- und kunstfeindlichen Welt.

 

Das Stadttheater Ingolstadt zeigt diese Inszenierung in der MTV-Gaststätte, Friedhofstraße 10, 85049 Ingolstadt.

Parkmöglichkeiten sind an der Gaststätte selbst und am Westfriedhof vorhanden. Die nächstgelegene Bushaltestelle ist Universität/Kreuztor, von dort sind es ca. 8 Minuten Fußweg.

Regie: 
Knut Weber
Ausstattung: 
Steven Koop
Dramaturgie: 
Annabelle Köhler
Premiere am ,
Down-Town
Dauer: 135 Minuten
Richard Mayr, Augsburger Allgemeine – 24.03.2012
»...zündet vom ersten Augenblick an...«
»Was für ein Ort! Was für eine Inszenierung! Was für ein Stück! (...) Knut Weber, Ingolstadts Theaterintendant, hat für seine Bernhard-Inszenierung mit der Gaststätte einen wunderbaren Ort für das Stück gefunden, den Steven Koop zum Inbegriff aller Bernhard''schen Provinz eingerichtet hat. Diese Komödie, die im Grunde eine Tragödie ist, zündet dadurch vom ersten Augenblick an. Sie zündet aber auch, weil Stefan Viering ein Staatsschauspieler (...) auf der Bühne steht, der den Staatsschauspieler Bruscon in aller Maßlosigkeit und Untiefe auslotet. Der Gegensatz zwischen dem Ort seines Auftretens und seinem Anpruch könnte nicht größer sein. Dieser Bruscon ist ein despotisches Scheusal, dem man fortwährend an den Lippen hängt, ein Genie der Übertreibung, das sich selbst zuhören kann, weil der Rest der Menschheit dem eigenen Anspruch nicht genügt. (...) So hochfahrend dieser Mensch ist, so bodenständig steht ihm der Wirt gegenüber. Peter Greif lässt ihn hinken, lässt ihn aus immer kleineren, ungläubigeren, wütenderen Augen hervorblocken, weil er bei aller Bauernschläue nicht weiß, wie ihm durch diesen Bruscon''''schen Furor geschieht. Die weiteren Opfer des Theatertyrannen: seine Tochter Sarah (...), von Anna-Katharina Diener in ein Kaugummi kauendes Hascherl verwandelt, das, wenn Blicke täten könnten, den Vater längst erledigt hätte; sein Sohn Feruccio (...), den Michael Amelung mit einem meterdicken Gleichmuts-Panzer versehen hat; seine Frau (...), die von Kathrin Becker als schwindsüchtiges Theatergespenst gespielt wird. Dem Intendanten Weber, seinem Bühnenbildner und seinem Ensemble ist eine Inszenierung gelungen, die durch Kurzweil besticht, ganz und gar Komödie ist und doch erahnen lässt, dass Bernhard jedes Wort ironisch und ernst zugleich gemeint hat. Großes Theater!«
Isabella Kreim, Kulturkanal – 24.03.2012
»...großartiger Beweis, warum die Menschheit ›seit Jahrtausenden in das Theater vernarrt‹ ist...«
»Ein Abend zum Bier trinken, Lachen, Erschrecken und Nachdenken über die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit – nicht nur im Theater. ›Der Theatermacher‹ ist ein großartiger Theaterabend – der davon handelt, wie erbärmlich, verlogen, pervers, lachhaft und unmenschlich das Theatermachen ist. Ein wunderbares Paradox. (...) Und ebenso hautnah, ohne Distanz schaffende Rampe prasselt Bruscons Wut auf die trostlose, kunstfeindliche Atmosphäre, seine pathetische Liebe zu seinem Theater und sein Hass gegen die Unzulänglichkeiten eines solchen Theaterbetriebs einer Tournee auf die Zuschauer nieder. Thomas Bernhards Furor und seine bittere Selbstironie sind schrecklich und komisch und schrecklich komisch. Wie größenwahnsinnig wichtig Bruscon seine Theaterkunst nimmt, wie er nervös, akribisch, tyrannisch und mit bitterbösen Sottisen über die Absurdität des Theaters die Stunden vor dem Auftritt verbringt, darüber kann herzhaft gelacht werden. Aber die Diskrepanz zwischen der Besessenheit für seine Theatervision und die Unzulänglichkeiten der Wirklichkeit trägt Bruscon auf Kosten anderer aus, die er für sein immerwährendes Scheitern verantwortlich macht: sein Ensemble, das aus seiner Familie besteht. (...) Stefan Viering als Bruscon ist kein Schmieren-Striese, er beherrscht das Sprech- und Darsteller-Handwerk grandios, Bernhards Tiraden mit größtmöglicher Sprachkunst zu akzentuieren, jedes Wort kann als Pointe abgeschossen werden, die Konsonanten können percussiv donnern, mit Sforzati wird die Satzmelodie rhythmisiert. Einerseits. Aber Stefan Viering ist genauso ein großartiger Gefühlslagen-Künstler andererseits. (...) Die anderen Figuren haben fast nichts zu sagen, die Darsteller erzählen weitgehend stumm ihre (Leidens-)Geschichten und sie tun dies mit großer Präsenz. Berührend, wie Anna-Katharina Diener den Psychodruck durch ihren Vater durch exzessives Kaugummi kauen abreagiert, stumm lauernden Trotz, Angst und gewohnheitsmäßige Resignation ausdrückt und doch im Moment großer Demütigung dem Heulen nahe ist. Kathrin Becker spielt die Frau des Theatermachers mit subversivem Einsatz ihres Hüstelns, in Würde leidend – bis zum aggressiven Lachanfall. Michael Amelung als Sohn Ferruccio ist gutmütig abgebrüht, ein Unglücksrabe, der aufmuckt, indem er die Marseillaise singt. Saukomisch die Probensituation, in der er es als Metternich natürlich mit keiner Phrasierung seinem Vater-Regisseur recht machen kann. Herrlich, wie er beim Abnehmen eines Hirschgeweihs kurz bedrohlich die Geweihspitzen hinter seinem Vater in Anschlag bringt, um sie ermattet sinken zu lassen. Weil der Wirt kommt. Peter Greif, ganz verlangsamter Bayer, schließlich mit blutiger Schlachterschürze und langen Pausen ein Subjekt, das Abgründe ahnen lässt. Utzbach: nur Schweineställe, Kirchen – und Nazis? Nach Theaterkomödie und Familien-Psychodrama weitet Regisseur Knut Weber Bernhards genialen Text schließlich durch eine metaphorische Ebene aus. (...) Und mit der leidenschaftlichen Beschimpfung der Verlogenheit und Perversion des Theaters durch das geniale Theater von Thomas Bernhard, gelingt ein großartiger Beweis, warum die Menschheit ›seit Jahrtausenden in das Theater vernarrt‹ ist. Vielleicht nicht in Utzbach, aber in Ingolstadt. Dank einer großartigen Theateraufführung von Thomas Bernhards ›Der Theatermacher‹.«