Ernst ist das Leben (Bunbury)

von Oscar Wilde

Deutsche Fassung von Elfriede Jelinek nach einer Übersetzung von Karin Rausch

London. – Der Junggeselle Algernon verfolgt eine außergewöhnliche und höchst originelle Lebensweise. Um der sozialen Kontrolle in der Stadt zu entgehen, erfindet er einen »kranken Freund« namens Bunbury , den er immer wieder auf dem Land besuchen muss. Ebenso, nur in umgekehrter Weise, treibt es sein Freund John, indem er in regelmäßigen Abständen seinen Landsitz verlässt, um in London dem »armen Bruder« Ernst unter die Arme zu greifen. Mit Bunbury und Ernst wird also munter hin und her gereist und das Dandy-Dasein in verschiedenen Identitäten üppig ausgelebt.

 

Dieses lustvolle Spiel mit der Freiheit aber gerät durch zwei mindestens genauso gewiefte und erfindungsfreudige junge Frauen heftig außer Kontrolle. Denn Algernon ist laut dem phantasievoll geführten Tagebuch der hübschen Cecily schon  seit Monaten mit ihr verlobt und die selbstbewusste Gwendolen setzt alles daran, um sich mit dem vermeintlichen Ernst aus dem strengen Elternhaus hinaus zu entwickeln. Oscar Wilde verdreht in dieser virtuos komponierten Komödie der Irrungen und Wirrungen noch dazu der Gouvernante Prism und dem Pfarrer Chasuble den Kopf. Am Ende muss selbst eine ansonsten äußerst konsequent handelnde Mutter und Tante wie Lady Bracknell kapitulieren..

 

Wilde spielt hier mit allem: mit Geist, mit Philosophie, mit Drama, mit Schauspielern und Publikum, mit dem ganzen Theater. Und die Dialogkünstlerin Jelinek zwirbelt die scharfsinnig pointierten Dialoge noch weitere Umdrehungen in die Höhe. Mit ihrem heutigen Zugriff auf das Stück schillert die Wirklichkeit der Bunbury-Potenzen in unendlich vielen Farben, von kitschig süß bis bitterlich ernst. Denn: Ernst ist das Leben!

Regie: 
Cornelia Crombholz
Ausstattung: 
Marion Hauer
Dramaturgie: 
Martina Leidig
Premiere am ,
Kleines Haus
Dauer: 120 Minuten
Peter Skodawessely, Augsburger Allgemeine – 18.02.2012
»Bravo!«
»›Dialoge im Theater finde ich banal und sinnlos, außer sie sind von Oscar Wilde‹, so äußerte sich einmal Elfriede Jelinek, Österreichs Literatur-Nobelpreisträgerin von 2004. Und ihr Respekt und ihre Achtung vor dem irischen Skandalautor und Dandy schimmern immer wieder durch in ihrer Bearbeitung von ›Ernst ist das Leben‹ (The Importance of Being Earnest), das als eines der besten Werke von Wilde gilt. Jetzt am Donnerstag hatte ›Bunbury‹ – unter diesem Namen ist das Stück auch bekannt – im Kleinen Haus des Stadttheaters Ingolstadt umjubelte Premiere. Wie einen einzigen Rausch hatte die aus Halle an der Saale stammende Regisseurin Cornelia Crombholz – damit zum ersten Mal in Ingolstadt tätig – dieses ebenso anzügliche wie trashige Verwirrspiel, in der das Lügen zur Tugend erhoben wird, inszeniert. Tempo, Tempo, Tempo ist ihre Devise. Und sie lässt dabei ihren acht Akteuren auf der kleinen Spielfläche sämtliche Freiheiten zum Grimassieren und Chargieren, zu Klamauk und Klamotte, zu Slapstick-und zu Screwball-Comedy-Einlagen. Dieser ›Ernst‹ macht Spaß! (…) Sichtlich dankbar nahmen dies Anna-Katharina Diener, Annagerlinde Dodenhoff, Renate Knollmann, Denise Matthey, Peter Greif, Ulrich Kielhorn, Peter Reisser und Enrico Spohn auf. Sie spielten sich auf der ideenreich und mit viel Sinn für kleine und kleinste visuelle Gags von Marion Hauer eingerichteten Spielfläche die sprichwörtliche ›Seele aus dem Leib‹: So ausgelassen und herrlich aufgekratzt hatte man in Ingolstadt in den letzten Jahren selten einmal ein Darstellerensemble gesehen. Bravo!«
Isabella Kreim, Kulturkanal – 23.02.2012
»Ein spritziges Vergnügen!«
»Regisseurin Cornelia Crombholz setzt konsequent auf den abgehobenen Irrwitz dieser Komödie und auf die Selbstinszenierung der Protagonisten und sie hat daher eine rasante Farce inszeniert. Statt zur geistreichen Konversation gepflegt herumzusitzen und zu stehen, entfachen ihre Figuren den Bewegungsfuror von Stummfilm-Komödianten. Enrico Spohn und Peter Reisser können wunderbar die Allüren eleganter Snobs mit dem absurden Slapstick- Bewegungsdrang vereinbaren. Enrico Spohn ist dabei eine Spur elegischer und eleganter, Peter Reisser mit einem charmanten Hauch Möchtegern-Macho. Sie zappeln mit abgehackten Bewegungen, galoppieren wie ein wilder Stier, hampeln wie kunstvolle Marionetten und zeigen auf diese Weise und ganz im Sinne von Oscar Wilde, dass die Selbstinszenierung ihre eigentliche Lebenskunst ist. Sie sind traurige Clowns mit schwarz umrandeten Augen, sie lieben die Maskerade und die artistischen Schnörkel in Gestik und Bewegung und den Slapstick mit Grandezza. Rollenspiele statt Psychologie, Buster Keaton statt Fin-de-siècle-Dekadenz, Theater statt Lebensimitation. Cornelia Crombholz hat damit virtuos den Nerv von Oscar Wildes Kunst-Produkt sichtbar gemacht. Und anstatt Torten werfen sie sich gegenseitig die in Elfriede Jelineks Textfassung mit Zweideutigkeiten und absurden Wortspielen geschärften Pointen um die Ohren. Und die Damen stehen den beiden wunderbar lustvoll verspielten Dandys dabei in nichts nach. Denise Matthey verdreht die langen Beine und die Augen, kreiert mit kunstvoll ruckartigen Bewegungen eine Pola Negri im Comedy-Format. Anna-Katharina Diener als Cecily hat einen allerdings nicht weniger exaltierten, schwärmerischeren Touch. Renate Knollmann und Annagerlinde Dodenhoff spielen mit komödiantischem Ernst die gestrengen Ladies und Ulrich Kielhorn als verliebter Pastor kalauert und schüttelreimt mit vermeintlich pastoraler Würde, dass es eine helle Freude ist. (Und er extemporiert sogar noch eine Anspielung auf seine schmerzhaft gebrochene Hand.) Das schöne an dieser Spielweise: Nichts wirkt am Regie-Reißbrett ausgetüftelt. Jeder Darsteller konnte offensichtlich seine eigene komische Kunstfigur im Rahmen dieser Farce entwickeln. Regisseurin Cornelia Crombholz und Ausstatterin Marion Hauer stellen entsprechendes Spielmaterial und ein abgedreht karikierendes Outfit zur Verfügung. Die Sessel und selbst die Bühnenwand haben Rollen und lassen sich so in munterer Dynamik bespielen. Der Pfarrer umradelt auf dem Fahrrad die Arena, und das Ensemble dreht die Bühnenwand von Stadtwohnung zu Landhaus und zurück. Und die halbrunde Bühnenwand enthält jede Menge Klappen, Schrank- und Schwingtüren, aus denen Requisiten und Menschen überraschend hervorgeholt oder überraschend verfehlt werden. Peter Greif ist als stoischer Stadt- und grotesker Landdiener mit Pokerface der klammheimliche Herr über das anarchische Klappe-auf-Klappe-zu-Chaos. (...) Cornelia Crombholz und das wunderbar einfallsreich spiellaunige Ensemble haben Wildes Gesellschafts-Komödie „Ernst ist das Leben“ aus dem Korsett der Salon-Komödie befreit und vital reanimiert. Ein spritziges Vergnügen!«
Sabine Roelen, intv – 23.02.2012
»... hinreißend turbulente Inszenierung.«
»Bunbury« ist ein rasantes Spiel der Irrungen und Wirrungen. Und wer dieses Spiel beherrscht, der bunburisiert. Mit Hingabe und Perfektion widmen sich Peter Reisser alias John und Enrico Spohn alias Algy diesem exklusiven Zeitvertreib. Mann gönnt sich etwas. (...) Cornelia Crombholz bringt „Ernst ist das Leben (Bunbury)“ als temporeiche Gesellschaftskomödie ins Kleine Haus. Die pfiffige Ausstattung von Marion Hauer macht Oscar Wildes Stück zu einem kreativ-circensischen Vergnügen. (...) »Ernst ist das Leben (Bunbury)« mit Peter Greif, Annagerlinde Dodenhoff, Denise Matthey, Anna-Katharina Diener, Renate Knollmann und Ulrich Kielhorn ist eine hinreißend turbulente Inszenierung. Mit zwei Stunden zwanzig nicht gerade kurz, aber kurzweilig.
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