LOVE - THE BEATLES

Für die Freilichtsaison 2011 bereitet das Theater Ingolstadt ein ganz besonderes, spartenübergreifendes Projekt vor: Fünfzig Jahre nach Gründung der legendären BEATLES soll in einem Theaterabend unter freiem Himmel dem Phänomen der BEATLES, ihren Stoffen, ihren Texten und ihrer Musik nachgespürt werden. Dabei werden über 30 weltbekannte Songs der BEATLES, deren poetische wie musikalische Qualität und Ausstrahlungskraft auch nach fünfzig Jahren ungebrochen ist, zu theatralischem Leben erweckt und in einer spartenübergreifenden Symbiose von Schauspiel, Gesang, Tanz und Artistik auf die Freilichtbühne im Turm Baur gebracht. Regie führt Peter Rein, die musikalische Leitung hat Tim Allhoff, die Ausstattung gestaltet Bodo Demelius. Der Abend „LOVE“ hat nicht das Ziel, die tatsächliche Biographie der „Fab Four“ aus Liverpool detailgetreu nachzubuchstabieren; vielmehr sollen in dem angestrebten Kaleidoskop aus über 30 der bekanntesten Songs der BEATLES einzelne Fäden aus der Lebens- und Zeitgeschichte der Musiker aufgegriffen und als choreografisches Theater erfahrbar werden. Dazu begeben sich die Zuschauer auf eine knapp zweistündige Reise in die Welt der BEATLES und ihrer Musik: Titel wie „Penny Lane“, „Strawberry fields forever“ oder „Eleanor Rigby“ führen dabei beispielsweise in die Kinderwelt von Lennon/McCartney im kleinbürgerlichen Liverpool. John Lennons Verhältnis zu seiner Mutter und deren Unfalltod fanden Eingang in Songs wie „Mother“ oder „A day in the life“. In kunterbunte Fantasiewelten entführen dagegen Songs wie „Magical Mystery Tour“, „I am the walrus“, „Lucy in the sky with diamonds“, „Octopus‘s Garden“ und viele mehr. Und natürlich erzählen viele Songs von den verschiedensten Ausprägungen der Liebe, den glücklichen, wie den unglücklichen, um schließlich in der Hymne „All you need is love“ zu enden. Die Vielfalt der Motive und Themen der BEATLES-Songs wird sich auch in den unterschiedlichsten künstlerischen Darstellungsformen ausdrücken. Das gesamte Ensemble steht auf der Bühne Nahezu das gesamte Schauspielensemble wird an dieser letzten Ingolstädter Produktion unter Intendant Peter Rein mitwirken, außerdem sind professionelle Tänzer, Artisten, Live-Musiker und vor allem auch zahlreiche Jugendliche aus mehreren Theaterspielclubs mit von der Partie. Die seit nunmehr zehn Jahren erfolgreich betriebene Jugendarbeit des Theaters führt dabei erstmals zu einer gemeinsamen Produktion von Jugendlichen und erwachsenen Profi-Künstlern.
Regie: 
Peter Rein
Ausstattung: 
Bodo Demelius
Choreografie: 
Dennis Cent, Isabella Kraus
Video: 
Thomas Wolter
Dramaturgie: 
Thomas Schwarzer
Premiere am ,
Freilichtbühne im Turm Baur
Augsburger Allgemeine – 27.06.2011
Bildgewaltige Beatles
(Ingolstadt) Peter Rein hat schon mehrfach gezeigt, dass er auf der Bühne gerne alle Register zieht. Mit seiner letzten Inszenierung übertraf sich der scheidende Ingolstädter Intendant noch einmal selbst. Für das Freiluftspektakel „Love – The Beatles“ mobilisierte er nicht nur alle Kräfte innerhalb des Theaters. Neben dem fast kompletten Ensemble tanzte, stelzte und schwebte bei der Uraufführung am Samstag außerdem eine Armee von jugendlichen durch die Spielstätte Turm Baur. Sie feierten zum 50. Geburtstag der Bandgründung eine bildgewaltige, mannstarke und ausgelassene Party – ganz nach dem Geschmack des Publikums. Die Beatles, diese Über-Band, hatten selbst einen Kosmos geschaffen, an dem sich Peter Rein phantasievoll bedient. Es gibt Episoden aus den Biografien von John Lennon und Paul McCartney, es gibt auch eine Kinder-Version der Pilzköpfe, aber ebenso jede Menge Zeitgeschichte. Immer wieder wird die Rebellion gegen das Establishment, das politische und soziale Aufbegehren der 1960er Jahre bildhaft beschworen, dann ist wieder alles jugendlich-leichte Flowerpower in Hippieklamotten. Die Geschichte der Beatles wird nicht chronologisch erzählt, sondern in Brüchen und assoziativ. Es ist viel Platz für ironische Zwischentöne, Anspielungen auf die persönlichen Befindlichkeiten der Fab Four und vor allem für Phantasie – samt Heuschrecken auf Stelzen und herumschwebenden Quallen. 20 Schauspieler, zwölf Artisten und Tänzer, acht Musiker, 30 Jugendliche und eine Handvoll Kinder in 300 Kostümen sprechen eine eigene Sprache. Im Mittelpunkt der ambitionierten Show steht die Musik. Über 30 Songs klingen an, von „Imagine“ über „Penny Lane“, „Help“ bis hin zu „Get Back“. Das Mitklatschen setzte an einem leicht verregneten Premierenabend früh ein. Über der Szenerie thront die Band: Der musikalische Leiter des Theaters, Tim Allhoff, und die anderen Musiker stecken in Sgt.-Pepper- Kostümen und geben eine kongeniale Kapelle ab, die dankenswer-terweise auch vor komplexen Nummern wie „A Day in the Life“ oder „Strawberry Fields“ nicht zurückschreckt und beständig auf hohem Niveau und mit dem nötigen Enthusiasmus spielt. Die Schauspieler wurden für die Inszenierung kurzerhand zu Sängern umfunktioniert und machten das im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr gut. In wechselnden Besetzungen gaben Renate Knollmann, Stefan Leonhardsberger, Peter Reisser, Marie Ruback, Enrico Spohn und Jan Gebauer Lennon und McCartney zum Besten. Leonhardsberger verwandelt dabei „Help“ in eine Charlie-Chaplin-Slapstick-Nummer allererster Güte. Das Publikum ließ sich bereitwillig auf die musikalische Reise zurück in die bewegten 60er Jahre ein. Peter Rein hat die Fassung für das Theater Ingolstadt zusammen mit Thomas Schwarzer erarbeitet und dabei vor allem den Facettenreichtum der Beatles-Geschichte in den Blick genommen. Die dunklen und verzweifelten Seiten eines John Lennon kommen in Songs wie „Mother“ oder „Yer Blues“ deutlich zum Ausdruck. Ausgiebig schwelgen die Akteure in den verworrenen Phantasiewelten von „Lucy in the Sky with Diamonds“. Stellenweise wird es auch kitschig. Doch dann schmettert die Wucht eines „Come Together“ über die Bühne und fängt den heute wieder so aktuellen Geist des Widerstands gekonnt ein. Das Musicalhafte, die atemberaubende Artistik vor der mit weißen Tüchern verhüllten Festungskulisse (Bühne: Bodo Demelius) und die lautstarken Songs stehen bei Reins letzter Inszenierung in Ingolstadt im Vordergrund. Die Geschichte kommt dagegen über das Episodenhafte nicht immer hinaus. Am Ende lautet die versöhnliche Antwort auf alle Widersprüche in Leben und Ära der Beatles wenig überraschend und dennoch überzeugend „Love love love“. Das Premierenpublikum erklatschte sich mit Nachdruck eine Zugabe: „Let It Be“. (Volker Linder)
Nürnberger Nachrichten – 29.06.2011
Willkommen in derWohlfühlwelt !
Ein Knaller-Abschied: Mit dem furiosen, üppigen Beatles-Musical „Love“ sagt der scheidende Intendant Peter Rein im Theater Ingolstadt ganz laut Servus – und lässt noch einmal richtig die Puppen tanzen. Wenn die Kapelle, natürlich stilecht in Lonely Heart’s Club Band-Uniformen gewandet, „Lucy in the Sky with Diamonds“ anstimmt, umturnen Trapezkünstler die Handlung. Himmelsakrobaten als weitere Gemmen eines Theaterabends, der mit derlei Prunk und Pracht ganz und gar nicht spart. Gleich danach blubbern die singenden Darsteller durch „Octopus’ Garden“, und mit ihnen blubbern als Fische gewandete Tänzer, eine riesige Garnele auf Stelzen, von der Decke hängende strampelnde Quallen und ein wohl bekanntes gelbes Unterseeboot, getragen von Sgt. Pepper höchstpersönlich. John, Paul, George und Ringo, die fabulösen vier Beatles, haben der Welt der Phantasie diverse neue Fabelwesen hinzu erfunden, und Peter Rein bedient sich dieses knalligen Fundus, um im Freilufttheater im Turm Baur noch einmal die ganz große Sause zu veranstalten. Er zeigt die Welt der Beatles und zugleich, was das Haus so alles zu bieten hat, wenn es lustvoll bis zum Anschlag belastet wird: Schon allein organisatorisch und choreografisch ist dieser aufwändige Abend der ratzfatz wechselnden Breitwandbilder mit Tänzern, singenden Schauspielern, Akrobaten und dutzendfach Statisten eine Meisterleistung. In Reins Ägide fallen denkwürdige Musical-Produktionen wie der „Frankenstein“ der Saison 2004/2005, fällt die Zusammenarbeit mit örtlichen Bands wie Slut in der „Dreigroschenoper“ oder die fulminante, radikale Hardrock-Version der „Räuber“ mit Bonfire. Zugleich stach das Haus heraus durch eine bemerkenswert physische, körperlich-kräftige Theaterarbeit. Mit der Uraufführung von „Love“, erarbeitet von ihm selbst und seinem Dramaturgen Thomas Schwarzer, schreibt der Intendant jetzt eine Zusammenfassung alles dessen und übersetzt die Symbole, Metaphern und Signale des Pop in saftige Theaterwirklichkeit. Schnell ahnt man den Kern des Unterfangens: Auch das Gesamtwerk der Beatles hat uns in all seiner Gewandung der Populärmusik durchaus etwas zu sagen. Die Botschaften sind schlicht, aber nicht minder wirkungsvoll: All you need is love! Und: Come together! Dann klappt’s auch mit der Wohlfühlwelt. Und so steht das Ensemble wohlig zusammen mit einer großen Schar sehr junger Tänzer des Theaterspielclubs und Artisten mit ihren begnadeten Körpern, um zwei Stunden lang Beatles-Songs in Bilder zu verwandeln, die wie die Erdbeeren in „Strawberry Fields“ auf die Bühne platzen. Manchmal rasen irre Figuren durch die Szenerie, manchmal wird still und leise von Sehnsüchten berichtet wie in „She’s Leaving Home“, wenn das Mädchen (Stefanie Breselow) seine Eltern (Victoria Voss und Rolf Germeroth) verlässt. Sie findet sich fortan an der Seite jenes allmählich erwachsen werdenden Kerls (Enrico Spohn), um den die Handlung sich dreht, der vom Jungen in Jeans und T-Shirt zum Mann im Anzug wird, aber nie seine Träume verliert. Im Turm Baur darf das Publikum mitträumen. Dabei wird alles ganz schön groß gezeichnet, aber so ist das eben mit dem Pop: Er markiert die ganz schön großen Gefühle im Gewand der ganz schönen, kleinen Songs. Peter Rein lässt sie jetzt auf die Bühne: Alles muss raus, noch einmal spielen. CHRISTIAN MUGGENTHALER
Süddeutsche Zeitung – 27.06.2011
Lichtgestalten ohne Funken
Ingolstadt - Das Ensemble des Theaters Ingolstadt gilt als ganz besonders rührig und auch als das größte reine Schauspielhaus in Bayern nach den Münchner Bühnen. Allein seit September haben die Schauspieler und ihr Intendant Peter Rein 17 Neuinszenierungen gezeigt. Begonnen hat dieses letzte Jahr des Theaterleiters fetzig-bunt mit einer Neuauflage der bewährten "Rocky Horror Picture Show". Farbenfroh-poppig endet die Ära Rein nun mit der unsterblichen Musik der Beatles. Er hat ihnen kein Musical geschrieben, wie andere vor ihm, sondern 30 Songs der Band aus Liverpool aneinander gereiht und mit "Love" überschrieben. Fast alle Ensemblemitglieder sind dabei, auch Akrobaten und Nachwuchs- Schauspieler lässt Rein über die weißen Bühnenbretter, über Treppen laufen, stolpern und stolzieren. Viele Menschen gleich- und rechtzeitig zu takten, das kann der Intendant. Das muss er niemanden mehr beweisen. Man vertraut ihm in Ingolstadt, entsprechend schnell waren die Karten für die Uraufführung am Samstag vergeben. Und auch für die folgenden Termine bis zum finalen 22. Juli sind nur noch Restkarten zu haben. Wieder hat der musikalische Leiter des Theaters, der vor kurzem erst mit dem Echo-Preis "Newcomer des Jahres" ausgezeichnete Augsburger Jazz-Pianist Tim Allhoff, die Stücke arrangiert. Er und der für populäre Rockmusik schwärmende Rein haben in den letzten zwei Jahren gut harmoniert. Die Geschichte der "Blues Brothers" hattell: sie im Herbst 2009 schon gemeinsam erarbeitet, vieles von Shakespeare folgte. Sich die Beatles vorzunehmen für die Freilichtsaison in den historischen Gemäuern des Turm Baur schien eine sichere Sache zu sein. Das Interesse des Publikums dafür besteht, das belegt allein die Nachfrage nach den Karten. Doch die erste Aufführung zeigt: Die Fab Four sind nun einmal fabulous, und jeder, der sich an ihnen versucht, muss sich an ihnen messen lassen. Pünktlich um 21 Uhr stürmen schwarz gekleidete Schauspieler die Zuschauerreihen. Sie skandieren allerlei sozialrevolutionäre Slogans, doch ein Satz prägt sich ein: "Wir sind aufgerufen, unsere Gesellschaft so zu bewahren, dass wir auf sie stolz sein können." Unsere Gesellschaft? Die Briten, die mit ihrer konservativen Verrücktheit die größten Bands der Popgeschichte hervorgebracht haben? Oder doch das bayerische Publikum, das, fast ohne eine Miene zu verziehen, in Decken gehüllt, das Spiel vor sich aufnimmt? "Empört euch!", wird da noch gerufen in Anspielung auf Stephane HesseI, bevor es mit John Lennons Friedens Hymne "Imagine" losgeht. Renate Knollmann im schwarzen Kostüm und wasserstoffblonder Perücke, die aussieht wie Madonna als Airhostess, holt raus aus ihrer Stimme, was geht. Und das tun auch andere wie der Lockenkopf Stefan Leonhardsberger oder Jan Gebauer im Sergeant- Pepper-Kostüm, aber man vermisst den Samt in der Stimme John Lennons oder Paul McCartneys auch mal schräge Töne. Dass Lieder wie "I want to hold your hand", "Help" oder "Come together" immer noch wundervoll klingen, egal wer sie spielt, das ist das Phänomen des Duos Lennon/McCartney. Genau diesem Phänomen wolle er nachspüren, sagt Rein. Er hat seine Leute in Schlaghosen und Blumenshirts gesteckt, lässt sie mit roten Fahnen aufmarschieren und unzählige Flämmchen in den Händen halten. Ein Funke aber ist bei der trotz widriger Wetterbedingungen schwungvoll durchgehaltenen Premiere nicht übergesprungen. Im Oktober inszeniert Rein in Pforzheim die Komödie "Der nackte Wahnsinn". Der Beatles-Song "Get Back" - vielleicht für Ingolstadt von Bedeutung.
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