Wenn der Rock, den Du trägst, älter ist als Du (UA)

Von Katharina Schlender und Beteiligte

Ab 15 Jahren

Eine große Kleinstadt inmitten einer kleinen Großstadt: Das Piusviertel in Ingolstadt. Vielen Spätaussiedler*innen bietet und bot das Quartier seit dem Ende des Kalten Kriegs eine neue Bleibe, ein Zuhause, eine neue Heimat. Was bedeutet »Heimat« für Menschen, deren Familiengeschichte geprägt ist von Auswanderung, Deportation, Flucht und Anpassung an immer neue politische, kulturelle und geographische Verhältnisse? Ist nur der »deutsche« Teil dieser Historien der kollektiven deutschen Geschichte oder das gesamte biographische Gepäck? Wie sehen das die Nachfahren der Menschen, die vor über 250 Jahren dem Ruf der deutschstämmigen Zarin Katharina der Großen nach Russland folgten? Wie geht es den jungen Generationen damit, dort als Deutsche und hier als Russ*innen nicht in das gängige Bild von Mehrheitsgesellschaft zu passen? Und wie geht es denen, die Eltern und Großeltern dieser jungen Generationen sind?

Die Regisseurin Ulrike Hatzer taucht mit ihrem recherchebasierten Dokumentartheater in diesen Teil der Geschichte Ingolstadts ein. Sie lädt Ingolstädter Russland-deutsche, Deutsch-Russ*innen und (Spät-)Aussiedler*innen aller Generationen ein, von ihrer Familiengeschichte in Erzählwerkstätten zu berichten, führt Interviews mit Expert*innen und recherchiert in unterschiedlichen Archiven über die sozial-gesellschaftlichen Zusammenhänge. Die daraus entstandenen Transkripte und Aufzeichnungen dienen der Autorin Katharina Schlender als Inspiration für einen fiktiven Theatertext: Es ist der Lebensweg der 17-jährigen Wolgadeutschen Irmgard und des 20-jährigen Kasachen Aruzahn. Ihre gemeinsame Geschichte beginnt 1943. Episodisch begleitet die Autorin ihre Hauptfiguren in schicksalhafte Situationen, Zustände und Lebensabschnitte ihrer Biografien. Mit seinem Ende, das im Jahre 2027 schließt, weist das Drama über das Schicksal seiner Hauptfiguren hinaus: Irmgard und Aruzahn wird es dann nicht mehr geben, doch ihre Kinder...  

 

Premiere: 30. April 2022

Regie: 
Ulrike Hatzer
Ausstattung: 
Marianne Hollenstein
Musik: 
Andreas Dziuk
Dramaturgie: 
Teresa Gburek, Kolja Buhlmann
Regieassistenz / Soufflage: 
Momo Mosel
Bühnenbildassistenz: 
Manuela Weilguni
Kostümassistenz: 
Heloá Pizzi Mauro
Organisation des Stadt-Ensembles: 
Chiara Hunski
Theatervermittlung: 
Lena Hilberger