Himmelwärts (UA)

Von Karen Köhler

Ab 8 Jahren

Was, wenn zwei Mädchen versuchen würden, mit ihrer verstorbenen Mutter Kontakt aufzunehmen, von der bei der Beerdigung gesagt wurde, dass sie jetzt im Himmel sei? Was, wenn diese beiden Kinder sich nach einer Anleitung aus dem Internet so ein kosmisches Radio bastelten und himmelwärts in den nachtdunklen Sternenhimmel funkten? Weil, so ein Arschloch kann der Tod doch nicht sein: Mama kann doch nicht einfach weg sein, irgendwas muss doch noch übrig sein von ihr. Und so senden sie jeden Abend ihre Sehnsucht in den Himmel. »Ground control to Major Mama«-mäßig. Was, wenn plötzlich wider Erwarten, nach scheinbar endlosen Versuchen, eine Antwort käme: Die Astronautin Chris hat den Amateurfunk der beiden Mädchen aufgefangen und antwortet ihnen von der Raumstation ISS aus. Über die Distanz beginnen die Mädchen einen Dialog mit der Astronautin. Chris beantwortet geduldig die Fragen der Mädchen, sie streifen dabei die Weite und Unendlichkeit des Universums ebenso, wie Zähneputzen und Pinkeln in der Schwerelosigkeit, die Frage, ob es Leben auf dem Mars gibt und landen bei der Endlichkeit allen Lebens. Behutsam dringen sie in die Tiefe der philosophischen Fragen der Menschheit vor.
 
Letztlich kann die Astronautin den Kindern ein Stückchen helfen, mit der Trauer um die verstorbene Mutter umzugehen und sie versucht ihnen zu beschreiben, was sie da oben im Himmel alles sehen kann. Aber auch die Astronautin ist von einer Sehnsucht geplagt, weil sie ihr Erdenleben doch ziemlich vermisst: Die Schwerkraft, das Gefühl barfuß über eine Wiese zu laufen. Vogelgezwitscher. Oder den Geschmack von Pommes mit Mayo. Das alles müssen die Kinder ihr beschreiben. Dann beginnt die Verbindung abzureißen. Die Autorin Karen Köhler sagt über den an sie vergebenen Stückauftrag: »Das Thema Kosmos wurde mir vom Jungen Theater Ingolstadt vorgeschlagen und meine Phantasie hat gleich angebissen, weil ich großer Weltraumfan bin. Mich interessiert neben all dem zu Entdeckenden da draußen (Sonnensystem, Galaxie, Raumfahrt, Rote Riesen, Schwarze Löcher, Pferdekopfnebel) auch der philosophische Ansatz als Thema sowie die Frage danach, ob es extraterrestrisches Leben gibt, wie es aussehen könnte und wie man damit kommuniziert. In meiner Beobachtung haben Kinder die Superkraft, sich über alle Sprachgrenzen hinaus zu verständigen. In ›Himmelwärts‹ (AT) sollen explizit Mädchen ins Zentrum im Umgang mit dem Thema Weltraum gestellt werden. Es ist ein bisschen auch die Eroberung oder die Aneignung eines Raumes, der immer noch sehr stark mit männlicher Expertise in Verbindung gebracht wird. Während meiner bisherigen Recherche bin ich bei der NASA auf ein Programm gestoßen, das Mädchen beibringt, wie sie sich ein Radio bauen und dann mit der Internationalen Raumstation ISS in Verbindung treten können. Da hat es bei mir sofort geklickt und eine Idee fing an Gestalt anzunehmen.«
 
Das Stück und die Inszenierung sind im Rahmen von »Nah dran«, Neue Stücke für das Kindertheater, ein Kooperationsprojekt des Kinder- und Jugendtheaterzentrums und des Deutschen Literaturfonds e.V. mit Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gefördert worden.

Premiere: 16. April 2022

Regie: 
Mia Constantine
Ausstattung: 
Jan Hendrik Neidert, Lorena Díaz Stephens
Dramaturgie: 
Hannah Balber
Regieassistenz/ Inspizienz/ Soufflage: 
Katharina Wüstling
Theatervermittlung: 
Magdalena Rozniakowska