V.l.n.r.: Benjamin Dami, Paula Gendrisch, Olivia Wendt / © Jochen Klenk

Gegen den Hass. Ein Theaterprojekt nach dem gleichnamigen Essay von Carolin Emcke.

Mia Constantine

Ab 15 Jahren

»Unerfahren, alt, fremd, anders, faul, hässlich, unmännlich, schlampig, ehrlos, terrorverdächtig, pervers, krank, gottlos, frigide, animalisch, asozial, kriminell, degeneriert« – Viele von uns machen im Schulalltag, im Beruf oder im sozialen Alltag Erfahrungen von unterschwelligen oder sogar offensichtlichen Ausgrenzungen: Wir werden einzeln oder als Gruppe abgestempelt, beäugt, vorverurteilt, abgewertet, gehasst. Ein solcher Hass gärt dort, wo (exemplarisch) DEN Migranten, DEN Ossis, DEN Ungläubigen, DEN Homosexuellen usw. eine Individualität abgesprochen wird und sie dadurch unsichtbar gemacht werden. Und andererseits dort, wo die Hassenden die komplexe Realität zu Horrorszenarien verzerren und sich hinter Schubladendenken verschanzen.

Carolin Emcke –Philosophin, Kriegsberichterstatterin und Buchautorin – denkt im Essayband »Gegen den Hass« über Ausgrenzung, Gewalt, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit in einer zunehmend polarisierten Öffentlichkeit nach. Den Zeitgeist der Gesellschaft beschreibt die Autorin als schamlos: Nicht mehr Empathie, Verstehenwollen, faires Zuhören und vernünftige Argumente sind dieser Tage Ausgangspunkt eines offenen und öffentlichen Gesprächs, sondern Hassrede - Diffamierungen und Fake News. Einfache Lösungen werden uns geboten: Das ›Wir gegen das Die‹. Im Hass gegen das vermeintlich ›Andere‹ entsteht eine verlockende Gemeinschaft. Wie lässt sich dieses geschlossene Denken wieder öffnen? Hass zu therapieren bedeutet, laut Emcke, Empathie zu üben. Was zur Empathie ebenso gehört wie zur Freiheit, ist die Vorstellungskraft, ist die Möglichkeit, das konkrete Gegenüber auch anders als in Vorurteilen wahrzunehmen. Erfahrungen anstelle von Vorurteilen müssen wirksam werden. Mit dem Ensemble des Jungen Theaters sieht sich die Regisseurin Mia Constantine Emckes Gesellschaftsanalyse genauer an, bringt deren Impulse als Collage in Bildern, Dialogszenen, mit Puppenspiel und Liedern auf die Bühne. Sie appelliert mit theatralen Mitteln an unsere Vorstellungskraft und lädt so zum Nachdenken und Weiterdiskutieren ein.

Regie: 
Mia Constantine
Video: 
Michael Lindner
Dramaturgie: 
Teresa Gburek
Theatervermittlung: 
Teresa Gburek, Linda Thaller
Kostüme: 
Christine Leers
Puppenregie: 
Mirjam Schollmeyer
Premiere am ,
Werkstatt/Junges Theater
Dauer: 75 Minuten
V.l.n.r.: Benjamin Dami, Paula Gendrisch, Olivia Wendt / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Benjamin Dami, Paula Gendrisch, Olivia Wendt / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Benjamin Dami, Paula Gendrisch, Olivia Wendt / © Jochen Klenk Paula Gendrisch / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Benjamin Dami, Paula Gendrisch / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Olivia Wendt, Benjamin Dami, Paula Gendrisch / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Olivia Wendt, Benjamin Dami / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Benjamin Dami, Paula Gendrisch, Olivia Wendt / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Paula Gendrisch, Olivia Wendt, Benjamin Dami / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Paula Gendrisch, Olivia Wendt, Benjamin Dami / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Paula Gendrisch, Olivia Wendt, Benjamin Dami / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Olivia Wendt, Benjamin Dami, Paula Gendrisch / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Benjamin Dami, Olivia Wendt, Paula Gendrisch / © Jochen Klenk V.l.n.r.: Olivia Wendt, Paula Gendrisch, Benjamin Dami / © Jochen Klenk
Donaukurier – 08.10.2018
»Ein bemerkenswerter Spielzeitauftakt im Jungen Theater«

Mia Constantines Inszenierung von »Gegen den Hass« sei »so erhellend wie unterhaltsam. […] sie verknappt, verdeutlicht, übersetzt, nutzt eine anschauliche Sprache, findet eigene Bilder von großer Poesie und Klarheit, innovative spielerische Formate, die die Fragen des Essays eindrucksvoll auf die Bühne bringen.« Weiter ist in der Rezension zu lesen: »Die Produktion besticht nicht nur durch inhaltliche Relevanz und theatrale Prägnanz, sondern auch durch ihr ästhetisches Konzept«. »Herrlich komisch ist diese Szene, in der Paula Gendrisch mit verschiedenen Brillen experimentiert. Und höchst aufschlussreich dazu. Nachdenklich macht es, wenn Benjamin Dami (Sohn eines Tunesiers und einer Französin, aber geboren in Frankfurt) von persönlichen Erfahrungen mit Ressentiments erzählt. […] Und berührend ist das Spiel mit der filigranen Gliederpuppe aus Papier, die Mirjam Schollmeyer für die Produktion gebaut hat. « Das Resumé der Rezensentin ist durchwegs positiv: »Es ist ein Gesamtkunstwerk, das Mia Constantine da mit ihrem Team geschaffen hat: klug, emotional, lehrreich, mit durchaus komischen Elementen und einer wichtigen Botschaft. […] Nach einer guten Stunde gab es dafür viel Jubel und langen Applaus.«

Neuburger Rundschau/Augsburger Allgemeine – 08.10.2018
»Anregung zur Diskussion«
Die Regisseurin Mia Constantine mit ihrem Team sowie dem hoch engagierten Schauspielertrio Paula Gendrisch, Olivia Wendt und Benjamin Dami setze alle verfügbaren theatralischen Mittel ein: Videos, Einspielungen von Youtube-Dokus über die Chemnitzer Ereignisse, Schauspieler-Dialoge auf Band, Puppenspiel und so weiter. »Es gelingen ein paar witzige, anregende, phantasievolle Szenen […]«. Der Rezensent kommt zu dem Schluss: »Als Anregung für […] Diskurse eignet sich das Stück vorzüglich.«
Kulturkanal – 08.10.2018
»Große Begeisterung bei der Premiere«
Das Junge Theater habe sich der verdienstvollen wie schwierigen Aufgabe angenommen, »aus dem klugen Essay einer Philosophin und Publizistin und dem Anliegen, junge Menschen gegen die Hasstiraden im Internet, die pauschale Diffamierung von Bevölkerungsgruppen zu sensibilisieren und sie mit Argumenten und Handlungsanweisungen auszustatten ein[en] auch unterhaltsame[n] Theaterabend […]« zu machen. »Die sehr ästhetische Ausstattung von Michael Lindner mit schwarz-glänzender Folie und faszinierenden Projektionen auf mehreren Raumebenen lässt zusätzlich jede Erinnerung an ein anstrengendes Politik-Seminar verblassen«. Die Rezensentin kommt zu dem Schluss: »›Gegen den Hass‹ im Jungen Theater vermittelt auf unterhaltsame Weise diesen wichtigen Diskurs für eine humanere Gesellschaft. Und für die anschließende Diskussion gibt es viele Einstiegspunkte, ganz nah an den Lebenserfahrungen der Jugendlichen«.