Die Verwandlung / © Ludwig Olah

Die Verwandlung

Nach Franz Kafka

In einer Fassung von Markolf Naujoks • Ab 14 Jahren

»Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.« In diesem zu den berühmtesten zählenden Anfangssätzen der Weltliteratur fasst Kafka unvergleichlich nüchtern einen eigentlich unfasslichen Vorgang zusammen: Beim Einschlafen war Gregor noch ein fleißiger, angepasster Angestellter, der mit seiner Arbeit brav seine Familie ernährt, beim Aufwachen findet er sich ansatzlos im Körper eines Käfers wieder. Doch nicht nur der Protagonist selbst, auch sein herrischer Vater, seine kranke Mutter und seine besorgte Schwester – ja, sogar die Räume der Wohnung verwandeln sich. Nichts ist, wie es scheint, selbst das Vertrauteste wird zur Bedrohung.

Die Metamorphose in einem familiären Mikrokosmos verhandelt die Entfremdung und den Zerfall des eigenen »Ichs« und versperrt sich bis heute einer eindeutigen Interpretation. Ist Gregor Samsa in seiner Verpuppung vielleicht nur Opfer seiner eigenen Erschöpfung? Was passiert mit uns, wenn wir den Überforderungen unserer Welt nicht mehr standhalten? Oder was sagt es über unsere Gesellschaft, wenn wir mit Menschen, die sich verändern oder unterscheiden, nicht zusammenleben können?

»An Kafkas Text interessiert mich vor allem das meisterhaft erzählte Gefühl, nicht in die Welt zu passen. Ist etwas falsch mit mir oder sind es die anderen? Die Welt als einen absurden Ort mit absurden Mechanismen zu erleben, damit können wohl alle – gerade auch im Hinblick auf unsere Erfahrungen während der Pandemie – etwas anfangen. Mich faszinieren sowohl der schwarze Humor als auch das anklingende Genre Horror und die Themen Einsamkeit und Isolation. Formal wollen wir mit einer Mischung aus Schattentheater, Hörspiel und Performance arbeiten. Mit einem live gespielten Soundtrack«, erklärt Regisseur Markolf Naujoks.

Hinweis:
In dieser Inszenierung geht es um psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen. Der Inhalt könnte belastend wirken.

Wo finde ich Hilfe?
Du hast Depressionen, suizidale Gedanken oder etwas anderes, über das Du reden willst? Hilfe oder Unterstützung findest Du bei der Hotline der Deutschen Depressionshilfe unter 0800 / 33 44 533, bei regionalen sozialpsychiatrischen Diensten, bei der Nummer gegen Kummer 116 111 (kostenfrei und anonym), oder online unter www.jugendnotmail.de und www.u25-deutschland-de. 

Hier finden Sie das Programmheft.

 

Regie: 
Markolf Naujoks
Bühne: 
Markolf Naujoks
Musik: 
Markolf Naujoks
Kostüme: 
Theda Schoppe
Illustration und Video: 
Theda Schoppe
Dramaturgie: 
Hannah Balber
Regieassistenz/ Inspizienz/ Soufflage: 
Momo Mosel
Ausstattungsassistenz: 
Nele Matthies
Theatervermittlung: 
Magdalena Rozniakowska
Premiere am ,
Werkstatt/Junges Theater
Dauer: 75 Minuten
Donaukurier – 06.12.2021
»Ein spannender Abend«

»Markolf Naujoks erzählt eine Familiengeschichte. Von Erwartungen und Ängsten. Von Druck und Gegendruck. Von Gewalt und Sprachlosigkeit. Von Depression und Verzweiflung. Von Entmenschlichung. Aber auch: vom Versuch einer Befreiung. Ein spannender Abend - für Jugendliche (ab 14) und Erwachsene. Bei der Premiere am Freitag gab's dafür minutenlangen Applaus.«

 

Kulturkanal Ingolstadt – 06.12.2021
»Phantastisch«

»Ungemein dicht und vielschichtig ist diese Inszenierung, packend, verstörend und hochaktuell. Denn es geht auch um soziale Vernachlässigung in einer scheinbar intakten Familie. Um Geldnöte und ein Weiterleben mit oder ohne diesen Problemfall. [...] Franz Kafkas ›Die Verwandlung‹ im Jungen Theater. Phantastisch, wie hier ein schwieriger Prosatext auf die Bühne gebracht wurde, übrigens ohne platte Parallelen zum Ausnahmezustand der Pandemie-Quarantäne zu bemühen.«