vorne: Victoria Voss, Ulrich Kielhorn hinten: Peter Reisser, Sascha Römisch, Sarah Horak, Ralf Lichtenberg, Andrea Frohn, Martin Valdeig, Matthias Zajgier, Marc Simon Delfs / © Jochen Klenk

Welt am Draht

nach dem Roman Simulacron-3 von Daniel F. Galouye

Drehbuch von Rainer Werner Fassbinder und Fritz Müller-Scherz

Schöne neue digitale Welt: Das Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung entwickelt ein Computerprogramm, das eine künstliche Welt simuliert. Darin leben Identitätseinheiten und handeln scheinbar nach ihrem freien Willen. Das System soll zukünftige gesellschaftliche, ökonomische und politische Prozesse vorhersagen. Nach dem rätselhaften Tod des Institutsleiters wird Fred Stiller zum neuen Direktor ernannt. Bei den Mitarbeitern sorgt sein Verhalten schnell für Irritationen. So erkennt er Menschen nicht wieder, die ihm vertraut sein sollten. Und er redet immer wieder von Personen, die außer ihm niemand kennt. Überfordert von seinen Problemen, flüchtet sich Stiller immer mehr in die virtuelle Realität des Programms…

»Welt am Draht« entstand 1973 als zweiteiliger Fernsehfilm im Auftrag des WDR. Für die Geschichte ließ sich Rainer Werner Fassbinder von dem Roman »Simulacron III« des amerikanischen Autors Daniel F. Galouye inspirieren. Der Science-Fiction-Film nimmt zahlreiche Themen des digitalen Zeitalters vorweg, die von späteren Hollywood-Blockbustern wie »Dark City« (1998) und »The Matrix« (1999) behandelt werden. Für Regisseur Donald Berkenhoff wirft der Stoff viele aktuelle Fragen auf: »Was geschieht mit unseren Daten? Sind wir manipulierbar, ohne es zu ahnen? Und wäre es tatsächlich so schlimm, wenn wir alle nur Teil einer riesigen Computersimulation wären?«

Regie: 
Donald Berkenhoff
Bühne: 
Fabian Lüdicke, Stefanie Heinrich
Kostüme: 
Andrea Fisser
Sound: 
Malte Preuss
Video: 
Bettina Reinisch
Dramaturgie: 
Johann Pfeiffer
Künstlerisch-technische Produktionsleitung: 
Manuela Weilguni
Theatervermittlung: 
Bernadette Wildegger
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 100 Minuten
Trailer »Welt am Draht«
vorne: Victoria Voss, Ulrich Kielhorn hinten: Peter Reisser, Sascha Römisch, Sarah Horak, Ralf Lichtenberg, Andrea Frohn, Martin Valdeig, Matthias Zajgier, Marc Simon Delfs / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Ralf Lichtenberg, Ulrich Kielhorn, Sascha Römisch, Victoria Voss, Olaf Danner, Sarah Horak, Marc Simon Delfs, Andrea Frohn / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Matthias Zajgier, Marc Simon Delfs, Victoria Voss, Ulrich Kielhorn, Sarah Horak, Olaf Danner / © Jochen Klenk Matthias Zajgier, Andrea Frohn / © Jochen Klenk Marc Simon Delfs, Sarah Horak / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Matthias Zajgier, Peter Reisser / © Jochen Klenk vorne: Matthias Zajgier, hinten: Olaf Danner / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Horak, Matthias Zajgier / © Jochen Klenk Victoria Voss / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Andrea Frohn, Matthias Zajgier, Marc Simon Delfs / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Marc Simon Delfs, Andrea Frohn, Matthias Zajgier / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Matthias Zajgier, Peter Reisser, Marc Simon Delfs / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Matthias Zajgier, Marc Simon Delfs, Victoria Voss / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Matthias Zajgier, Marc Simon Delfs / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Victoria Voss, Matthias Zajgier, Ulrich Kielhorn, Sarah Horak / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Victoria Voss, Marc Simon Delfs / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Victoria Voss, Peter Reisser, Marc Simon Delfs / © Jochen Klenk Matthias Zajgier, Andrea Frohn / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Matthias Zajgier, Andrea Frohn / © Jochen Klenk
Süddeutsche Zeitung – 04.02.2020
»Donald Berkenhoff inszeniert ›Welt am Draht‹ in Ingolstadt als philosophischen Science-Fiction-Thriller«

»›Welt am Draht‹, das Donald Berkenhoff am Ingolstädter Stadttheater nach dem Drehbuch Fassbinders stringent und konzentriert auf die Bühne gebracht hat, ist Thriller, Dystopie und philosophisches Gleichnis in einem. […] Was bei Galouye und Fassbinder noch Vorahnung war, ist in Zeiten des Internets dringlicher denn je. Sind nicht längst die Grenzen zwischen analog und digital geschleift, da wir ständig an unseren Displays hängen und ins Netz abtauchen? Zuletzt: Die Geschichte deutet bereits die wichtige Rolle der Wirtschaft an. Auch hier fällt der Brückenschlag zu heutigen Tech-Konzernen, zum Vormarsch von Künstlicher Intelligenz, den alles beherrschenden Algorithmen nicht schwer. So musste Donald Berkenhoff gar keine Anspielungen auf das Hier und Heute einbauen, der Zuschauer assoziiert sie sowieso. Die Bühne von Fabian Lüdicke und Stefanie Heinrich verschränkt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, man sieht das kühle Innere einer Kirche, daneben die Andeutung einer modernen Firmenzentrale. […] Berkenhoff erzählt ganz klassisch und linear, lässt sich Zeit für die Entwicklung der Figuren. […] Am Anfang wirkt alles noch ganz normal. Der Horror entfaltet sich langsam aber sicher, untermalt von der subkutan wabernden Soundlandschaft von Malte Preuss. Dazu flimmern immer wieder Videoprojektionen von Bettina Reinisch, die die Bühne für kurze Momente in eine verstörend psychedelische Landschaft verwandeln. Schöne neue Welt.«

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Donaukurier – 03.02.2020
»Großer Jubel«

»Perfekt hat Donald Berkenhoff diese Computerspiel-Ästhetik inszeniert. […] Das Stück jongliert mit den vielschichtigen Ebenen von Wahrnehmung und Bewusstsein – und das Ensemble spielt sich mit großer Präzision, Souveränität und Eleganz durch die Anforderungen der Spiegelwelt. Den größten Applaus heimst zum Schluss natürlich Matthias Zajgier für seinen Stiller und dessen existenzielles Ringen ein. Aber alle sind hier zu loben: Olaf Danner, Sascha Römisch, Marc Simon Delfs, Ralf Lichtenberg, Martin Valdeig, Ulrich Kielhorn, Peter Reisser, Victoria Voss, Sarah Horak und Andrea Frohn setzen immer wieder kleine individuelle (auch witzige) Glanzlichter, aber wirken vor allem in ihrer synchron choreografierten Kompaktheit als interaktive Avatare. Fast die wichtigste Zutat aber ist der Sound von Malte Preuss: Schließlich prägen Soundtracks das Computerspielerlebnis heute stärker als die Optik. Dieser Mix aus Musik, synthetischen Klängen, Atmosphärischem und Störgeräuschen bis zu Stillers unerträglichem Kopfschmerz-Sirren passt sich mit raffinierter Dynamik dem Spielgeschehen in den unterschiedlichen Phasen an. ›Game over‹ nach 100 Minuten und großer Applaus für eine exzellent gemachte, ästhetisch eindrucksvolle, bildgewaltige und rundum überzeugende Inszenierung.«

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Augsburger Allgemeine / Neuburger Rundschau – 04.02.2020
»Wer bin ich wirklich?«

»Donald Berkenhoffs Inszenierung [...] verlangt hohe Aufmerksamkeit beim Hinhören, bietet aber zum Ausgleich starke ästhetische Qualität für das Auge: eine noble klassizistische Innenarchitektur im Sakralstil (Bühne: Fabian Lüdicke, Stefanie Heinrich), eine adäquate Kostümgestaltung (Andrea Fisser), dramaturgisch effektvolle Videos (Bettina Reinisch). Dazu der über das ganze Stück hinweg dezent schwebende, bedrohlich wirkende Sound (Malte Preuss). Aber wie man den jetzt freischaffenden Regisseur Donald Berkenhoff aus vielen Jahren als stellvertretenden Intendanten in Ingolstadt kennt: Ohne Augenzwinkern läuft nichts. So im vorliegenden Fall, […] wenn Polizeikommissar Lehner über die Bühne schlurft als Abbild des trotteligen Inspektors Columbo aus der Fernsehserie der 1970er Jahre. Elf Darsteller verzeichnet die Besetzungsliste. Alle machen, wie man das in Ingolstadt gewohnt ist, ihre Sache bestens. Nach der sehr freundlich aufgenommenen Premiere bekam Matthias Zajgier verdienten Sonderapplaus für seine sehr engagiert und differenziert gestaltete Rolle des Stiller […].«

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