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kudlich (DE) - Pressestimmen

Süddeutsche Zeitung – 06.04.2018
»Wie sind wir die geworden, die wir sind, scheinen die Stücke zu fragen«

Als Inszenierung, die »Erwartungen an einen geordneten Theaterabend konsequent unterläuft«, wird Michael Simons Fassung von »kudlich« in der Süddeutschen Zeitung bezeichnet: »Es herrscht die Antilogik der Farce beziehungsweise des Kasperletheaters, wo Großes klein und Kleines groß wird. Denn Simon weiß freilich, was er da tut«, wenn er auf der Bühne »klug (…) einen Guckkasten wie beim Kasperletheater« aus Schildern mit Stichworten gestaltet. Für den Rezensenten »lohnt [es] sich, sich auf diese widerständige Puppenschlacht einzulassen. Zu erleben ist eine Inszenierung, die nur scheinbar banal daherkommt. In Wahrheit aber jede Menge Theatergeschichte von Nestroy über Graf von Pocci bis Brecht und Jelinek atmet«. Gelobt wird auch das Ensemble, »dem man das Vergnügen am Larifari-Treiben ansieht«, und die »überaus agile« Sandra Schreiber, die »ganz hinreißend Kudlich als Hans Dampf-Revoluzzer in allen Gassen« spiele. So lautet das Resümee: »Bitterer, böser, aber auch verspielter wurde zuletzt selten über die Gegenwart und ihre aktuellen Debatten – etwa über Heimat, Ein- und Ausgrenzung oder über den zunehmend alle Lebensbereiche beherrschenden Primat der Ökonomie – reflektiert«.

Donaukurier – 26.03.2018
»blitzgescheiter Kommentar zur Gegenwart – dargestellt in einer kühnen Bildästhetik«

»kudlich« sei »das Kernstück der aktuellen Spielzeit, die nicht nur die Gegenwart kritisch unter die Lupe nimmt, sondern vor allem Haltung einfordert. Und sich mit dem Motto ›Wir sind das Volk!‹ eine Parole von den Populisten zurückholt, die Georg Büchner einst in ›Dantons Tod‹ artikulierte«. Autor Thomas Köck »verwebt Restauration, Rebellion und die Aufstände von 1848 mit Figuren und Ereignissen des 20. und 21. Jahrhunderts, mit Flucht und Freiheit, Fremdenhass und Populismus. Sein Text zeichnet sich durch »eine Rhythmik und Musikalität« aus, meint die Rezensentin des Donaukuriers, er sei »assoziativ, komplex und poetisch, der Realität abgelauscht und historisch verfremdet, so vielgestaltig wie vielschichtig«. Regisseur Michael Simon gelinge es »auf kunstvolle Weise (…) Köcks sprachliche Vehemenz in kraftvolle Bilder« umzusetzen. »Spannend[e]« Bühnenbilder zeige er ebenso wie Köcks Sprache »in ihrer Klarheit und Schönheit«. Denn die Sprache gilt in »kudlich« als »Politikum (…), weil sie nicht mehr nur Worte transportiert, sondern ganze Ideologien«. Großes Lob auch für die Darsteller: Regisseur Simon »lässt seine fabelhaften Schauspieler die Texte sprechen wie Musik. Federleicht klingt das, komisch, ironisch. Mit Sandra Schreiber, Teresa Trauth, Ariane Andereggen, Enrico Spohn und Jan Gebauer hat er auch ein Darstellerquintett zur Verfügung, das vor Energie und Spielwut geradezu birst. Das präzise ist und präsent bis in die hintersten Bühnenwinkel. Das gekonnt aus den Rollen fällt, köstliche Bühnentode stirbt und die Kunst der Manipulation beherrscht«. Damit lautet das Fazit: »Alles stimmt an dieser Inszenierung«. Beeindruckend findet die Rezensentin den »klug gestrichene[n] Text, die eindrucksvolle Bühne, die herrlich puppigen Wunderland-Kostüme von Kerstin Grießhaber, de[n] gut geführte[n] 18-köpfige[n] Chor (Ariane Andereggen) der Unzufriedenen, Ängstlichen, Selbstgerechten«. So wird »kudlich« zusammenfassend bezeichnet als »anspruchsvoll, politisch relevant, aberwitzig und intelligent gemacht – und [als] eine äußerst kurzweilige Anstiftung zur Revolution«.

Kulturkanal – 26.03.2018
»Beeindruckter Applaus für diese sehr sinnlich abwechslungsreiche Inszenierung«

Dem Produktionsteam aus Regisseur, Dramaturg und Kostümbildnerin gelänge eine »originelle[] Bildfantasie«. So rezensiert der Kulturkanal: »Die Inszenierung hat die Sprachflut mit starken Bildern klug strukturiert und dem etwas theorielastigen Diskurs enorme sinnliche und assoziationsreiche Qualitäten abgewonnen«. Autor Thomas Köck verbinde Gegenwart und Geschichte auf eine »wirklich abenteuerlich[e], kurios[e], absurd[e], auf- und anregend[e Weise], und profitiert zudem vom Witz anachronistischer Begriffskombinationen«. Fünf Darsteller spielen »mit großes Klarheit und Intensität und manchmal auch subversivem Witz Thomas Köcks vertackte Texte«. Zum Schluss zieht die Rezensentin folgendes Resümee: »Auf jeden Fall werden uns ein komplex verzahntes, unterschiedliches Material aus ernstzunehmender Ideologiekritik, Begriffsmissbrauch und wiederkehrender Agitationsmuster der Pop- und Politikkulturen in einem ganz eigenen Sprachsound angeboten«.

Augsburger Allgemeine/Neuburger Rundschau – 27.03.2018
»Deutsche Erstaufführung in Ingolstadt«

Autor Thomas Köck habe »auf der Folie der bürgerlichen Revolution von 1848 und unter Verwendung der historischen Figur des Wiener ›Bauernbefreiers‹ Hans Kudlich ein Stück konstruiert, das den Bogen zu heutigen Problemen spannen will«. Der Rezensent der Neuburger Rundschau schreibt anerkennend über die Kostüme von Kerstin Grießhaber: »[V]or allem die wulstigen Marionettenverkleidungen setzen surreale Akzente«.