v.l.n.r.: Sascha Römisch, Péter Polgár, Renate Knollmann, Sarah Horak, Maik Rogge / © David Baltzer

Hiob

nach dem Roman von Joseph Roth

in einer Fassung von Koen Tachelet

»Warum hast du mich aus dem Mutterleibe hervorgebracht? Wäre ich doch umgekommen, ohne dass mich ein Auge gesehen hätte,«

klagt Hiob in der Bibel. Wie konnte ihm, dem gottesfürchtigen Mann, soviel Unheil zustoßen?! Ganz ähnlich geht es dem Toralehrer Mendel Singer in Joseph Roths Roman Hiob. Als sein dritter Sohn Menuchim mit einer ominösen geistigen Krankheit geboren wird, steht für ihn fest: Das ist eine Strafe Gottes! Er entscheidet sich gegen eine medizinische Behandlung und vertraut auf die Hilfe eines Wunderrabbis. Sein Hoffen bleibt jedoch vergebens, Menuchim wird nicht geheilt. Doch damit nicht genug: Um dem russischen Militärdienst zu entgehen, muss Mendels Sohn Schermarjah aus Russland fliehen. Auf der Suche nach einem besseren Leben wandert die Familie schließlich zu Schermarjah, der sich inzwischen Sam nennt, nach Amerika aus – den kranken Menuchim aber müssen sie in der Heimat zurücklassen. Geplagt von Schuldgefühlen sucht Mendel in der Fremde nach der eigenen Identität und nach seinem verlorenen Sohn.

Regie: 
Jochen Schölch
Bühne: 
Fabian Lüdicke
Kostüme: 
Andrea Fisser
Dramaturgie: 
Paul Voigt
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 140 Minuten, mit Pause
Donaukurier – 19.02.2018
»Jubel, begeisterte Zuschauer und Standing Ovations«

»[G]ut gewählt« sei die Drehscheibe als Mittelpunkt der Bühne, das »Rad des Lebens als Sinnbild für das Schicksal Mendel Singers und seiner Familie«, findet der Kritiker des Donaukuriers. Mit der Überfahrt nach Amerika erhalte die »Handlung nun eine moralische, soziale und religiöse Fallhöhe«, auch weil »zwischen der Figur Mendels und dem Leben in der Neuen Welt wie auch zwischen ihm und Gott Räume entstehen, die Sascha Römisch mit seinem Spiel grandios füllt«. Nach zahlreichen Schicksalsschlägen »bricht Mendel mit Gott, er ›verbrennt‹ ihn wie seine Gebetsutensilien, er verflucht ihn«. Sascha Römisch spiele »diese Wandlung bewundernswert. (…) Satz um Satz, Minute um Minute altert nun dieser Mendel Singer vor den Augen der Zuschauer, wird ein gekrümmter, zerzauster, innerlich und äußerlich verwüsteter Greis, der alles verloren hat, was er im Leben hatte, einschließlich seines Glaubens«. Für den Rezensenten »gehört [es] zu den kleinen Wundern (…) dieser Inszenierung, dass das Ende nicht kitschig ist, ein Happy End, das doch keines ist«. Das Fazit am Ende lautet: »Und längst hat es die Inszenierung da geschafft, dass der Zuschauer versteht und empfindet (…) und das Leben des Mendel Singer hat ihn auf dem Theater genauso berührt wie im Roman«.