v.l.n.r.: Chris Nonnast, Sascha Römisch, Mara Amrita / © Katharina Rößle

Gatte gegrillt

Ein Stück von Debbie Isitt

Deutsch von Evelyn Iwersen

Heißes Glück in fremden Betten. – Die Midlife-Crisis ist Anlass höchster Beunruhigung. Die Alarmstufen stehen auf Rot: Hormone spielen verrückt. Das ­halbe Leben ist vorbei und viele Chancen sind verpasst. Irgendwas muss geschehen, bevor es zu spät ist.
So sieht es auch Kenneth. Der bekennende Elvis-Fan und einstige Frauenschwarm ist in die Jahre gekommen. Die Krise setzt ihm schwer zu. Um dies zu ändern, beginnt er nach zwanzig Jahren Ehe mit ­Hilary ein Verhältnis mit der wesentlich jüngeren und attraktiveren Laura. Auf den ersten Blick verkörpert Laura alles, was Kenneth im ­Leben mit ­Hilary fehlt. Laura ist sexy, unternehmungslustig und sie himmelt Kenneth an. Es gibt nur ein Problem: Laura kann nicht kochen.
Die Geliebte drängt ihn, seiner Frau endlich reinen Wein einzuschenken. Doch Kenneth sieht das deutlich anders: Denn warum sollte er sich entscheiden, wenn er auch beides haben kann? Er will weder auf den Sex mit Laura noch auf die unübertroffenen Kochkünste seiner Frau verzichten. Aber die Geliebte spielt nicht lange mit, sie geht zur Ehefrau und schafft klare Verhältnisse. Die Betrogene bewahrt eine bemerkenswerte Haltung, doch im Innern ­brodelt es: Sie fasst einen teuflischen Plan. Endlich hat sie Grund, ihre Kochkünste sinnvoll anzuwenden. Hilary bittet zu Tisch und hält eine wahre Überraschung parat. Ein fieser Showdown beginnt.

Mit herrlich schwarzem Humor macht sich die ­Autorin Debbie Isitt über die Ehe- und andere ­Verhältnisse her und serviert eine brillante ­Boulevardkomödie: scharfzüngig, makaber, ur­komisch und feurig gepfeffert mit den heißen Rhythmen des King of Rock ’n’ Roll.

Regie: 
Knut Weber
Bühne: 
Knut Weber
Kostüme: 
Charlotte Labenz
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Theatervermittlung: 
Linda Thaller
Wiederaufnahme am ,
Studio im Herzogskasten
Dauer: 100 Minuten
v.l.n.r.: Chris Nonnast, Sascha Römisch, Mara Amrita / © Katharina Rößle v.l.n.r.: Chris Nonnast, Sascha Römisch, Mara Amrita / © Katharina Rößle v.l.n.r.: Mara Amrita, Sascha Römisch / © Katharina Rößle v.l.n.r.: Mara Amrita, Sascha Römisch / © Katharina Rößle v.u.n.o.: Mara Amrita, Sascha Römisch / © Katharina Rößle v.l.n.r.: Chris Nonnast, Sascha Römisch, Joana Tscheinig / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Joana Tscheinig, Sascha Römisch / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Chris Nonnast, Sascha Römisch / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Joana Tscheinig, Sascha Römisch / © Ludwig Olah Sasche Römisch / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Joana Tscheinig, Sascha Römisch / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Chris Nonnast, Sascha Römisch, Joana Tscheinig / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Sascha Römisch, Chris Nonnast / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Joana Tscheinig, Sascha Römisch / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Sascha Römisch, Chris Nonnast / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Joana Tscheinig, Sascha Römisch / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Joana Tscheinig, Sascha Römisch / © Ludwig Olah Chris Nonnast / © Ludwig Olah oben: Joana Tscheinig; unten: Sascha Römisch / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Joana Tscheinig, Sascha Römisch, Chris Nonnast / © Ludwig Olah
Friedrich Kraft, Augsburger Allgemeine – 21.10.2013
»... zwischen Erotik und Fresssucht ...«

 »Hier trifft die alte Theaterredensart zu von einem Schauspieler, der dem Affen Zucker gibt. Sascha Römisch macht das ganz extensiv in der schwarzen Komödie der Engländerin Debbie Isitt ›Gatte gegrillt‹. Stadttheater-Intendant Knut Weber hat das derzeit vielerorts gespielte Stück für das Studio im Herzogskasten inszeniert.

Nach der Premiere gab es einen Mordsbeifall - kurz nach einem tückischen Mord auf der Bühne. Opfer ist Kenneth, ein alternder Lüstling, der seiner treu sorgenden Ehefrau Hilary im Bett überdrüssig ist, aber nicht ihrer tollen Kochkünste. Er legt sich eine jüngere Geliebte namens Laura zu für den Sex, kann sich aber letztlich nicht entscheiden zwischen den Frauen und was sie zu bieten haben, lebt mit Lügen und kommt zwischen alle Mühlen. Eine Alltagsgeschichte, hier freilich mit kannibalischem Ausgang. Beide Gefährtinnen haben am Ende die Spielchen des dämlichen Machos satt, werden ihn verbraten, im Sinne des Wortes.

Römisch gibt die Paraderolle des zwischen Erotik und Fresssucht zerrissenen Kenneth furios, zappelt, windet sich, zieht Grimassen, haut auf den Putz – gibt dem besagten Affen Zucker bis an die Grenze des Erträglichen. Auch das will gekonnt sein – und dieser Schauspieler kann es.

Regisseur Weber hebt den gut gebauten, pointenreichen Boulevard-Text ins Surreale, lässt exzentrisch spielen vor schwarz-grün schimmernder Kulisse. Besonders eindrucksvoll die pantomimischen Tischszenen, vor allem wenn sich der Übeltäter zu Tode frisst. Die Personen der Handlung sitzen auf überhöhten Sesseln, die Kostüme (Charlotte Labenz) nähern sich etwas beliebig, aber fantasievoll altenglischem Stil an. Hinreißend in den Frauenrollen Chris Nonnast als bieder ondulierte Hilary und Joana Tscheinig, die erotische Laura mit giftig-roter Perücke, beide zickig jeweils auf ihre Weise.

Gut 90 Minuten höchst kunstvolle Klamotte, sehr unterhaltsam, stellenweise gewöhnungsbedürftig, aber empfehlenswert.«

Anja Witzke, Donaukurier – 20.10.2013
»Excellentes Schauspieltrio«

»Mit Chris Nonnast, Joana Tscheinig und Sascha Römisch hat der Regisseur ein exzellentes Schauspieltrio zur Verfügung, das diese Mischung aus Groteske, Komödie und Drama mit Lust, Fantasie und eindrucksvollem Körpereinsatz bedient.« lobt der Donaukurier die Inszenierung von Debbie Isitts Stück. »Weber findet […] eine herrliche Bühnensprache: grotesk, temporeich, bizarr, tragisch, bitterböse. « Auch die flaschengrüne skurrile Kulisse und die Maske tragen einen großen Teil zur »Künstlichkeit als Mittel der Entlarvung« bei. Am Ende »gibt’s im Publikum kein Halten mehr.«

Badische Neueste Nachrichten – 05.03.2018
»Herrliche Szenarien« - »Gestriges Thema flott aufbereitet […]«
Die Premiere von »Gatte gegrillt« am Kammertheater Karlsruhe »wurde begeistert beklatscht«. Durch die »flotte[ ], komplett überdrehte[ ], fast comichhafte[ ] Inszenierung wirkt es [das Stück] so abgefahren, dass sich die Zuschauer köstlich amüsierten«. »Gatte Gegrillt« wird als »bitterböse[s] Stück« beschrieben, das »als überkandidelte Farce, ein bisschen im Stile von ›Rocky Horror Picture Show‹« inszeniert wurde. Durchweg positive Resonanz erhalten die Schauspieler: »Vor allem die darstellerischen Leistungen konnten überzeugen. Wie die drei Schauspieler hier aufdrehen, überdrehen, durchdrehen ist schon eine echte kleine Sensation«. Hinsichtlich des Umstandes, dass das Stück ohne Requisiten auskommt, schreibt die Rezensentin: »Da trennt sich die Spreu vom Weizen und der wirklich gute Künstler vom Laien: Diese drei Darsteller vermögen mit rein imaginären Zutaten die herrlichsten Szenarien heraufzubeschwören.«
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