Die Nashörner

Eugène Ionesco

An einem schönen Sonntagmittag sitzt Behringer nach einer alkoholschweren Nacht im Café mit seinem Freund Hans. Plötzlich stürmt ein Nashorn an ihnen vorbei. Kurz darauf ein zweites. Voller Verwunderung starren sie in Richtung Kirchplatz. Schon bald sind die Dickhäuter das Stadtgespräch. Auch in Behringers Büro können viele es nicht glauben, halten es für einen Schwindel. Schnell kursieren die unterschiedlichsten Theorien, bis plötzlich Frau Ochs auftaucht und berichtet, dass ihr Mann sich in ein Nashorn verwandelt habe. Die absurde Verwandlung scheint ansteckend zu sein. Nach und nach tauchen immer weitere Dickhäuter auf, die alles niederwalzen. Aber hat man sich erst einmal an die Nashörner gewöhnt, merkt man die eigene Verwandlung kaum noch. Wer dazugehören will, wird Teil dieser Massenbewegung. Nur Behringer, Ionescos tragisch-komischer Antiheld, widersetzt sich, versteckt sich aus Furcht vor der Ansteckung in seiner Wohnung. Gerade er, der notorische Zuspätkommer, gelangweilt vom Leben, ungepflegt und dem Alkohol nicht abgeneigt, fragt sich, warum so viele mitmachen.

Eugène Ionescos verrückte Geschichte über Anpassertum und Herdenmentalität zeigt eindrücklich, wie schnell sich unreflektierte Meinungen in der Masse verbreiten und plötzlich unaufhaltsam zu totalitären gesellschaftlichen Umwälzungen führen.

Regie: 
Claus Peymann