Die Nashörner / © Andreas Pohlmann

Die Nashörner

(Rhinocéros) • Stück in 3 Akten • von Eugène Ionesco

Deutsch von Claus Bremer und Hans Rudolf Stauffacher

Zuerst ist es nur ein Nashorn, das mitten am Tag unter uns auftaucht. Oder sind es doch schon zwei? Grund zur Aufregung oder schaut man einfach nicht hin? Ist es denn überhaupt gefährlich? Oder sind diese Dickhäuter nicht sogar ganz nett, die lieben Kollegen, die sich allesamt, einer nach dem anderen, in Nashörner verwandeln? »Man muss mit der Zeit gehen!« Wie lange geht das gut? Was scheinbar harmlos beginnt, endet in der Katastrophe. Behringer, der Aussenseiter. Held oder Versager, bleibt am Ende allein. Allein in einer Welt der Nashörner.

Eugéne Ionesco, der Meister des absurden Theaters hat mit seinem Theaterstück ein groteskes Clownsspiel geschrieben, zum Weinen und zum Lachen. Eine Art Jedermann im Alltagsgewand.

Regie: 
Claus Peymann
Bühnenbild: 
Paul Lerchbaumer
Kostümbild: 
Su Bühler
Dramaturgie: 
Jutta Ferbers
Musik und Geräusche: 
Sebastian Sommer
Produktionsleitung: 
Miriam Lüttgemann
Künstlerisch-technische Produktionsleitung: 
Manuela Weilguni
Bühnenbildassistenz: 
Milena Keller
Kostümbildassistenz: 
Heloá Pizzi Mauro
Theatervermittlung: 
Bernadette Wildegger
Großes Haus
Dauer: 110 Minuten
Neuburger Rundschau – 22.03.2022
»Ein perfekt harmonierendes Ensemble«

»Peymann verfügt über ein perfekt harmonierendes Ensemble, so gut wie alle Rollen des Stücks geraten zu gelungenen komödiantischen Miniaturen. Enrico Spohn als Behringer und Sascha Römisch als dessen Freund Hans treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an auf der Ingolstädter Bühne. Römischs furiose Metamorphose zum Nashorn wird von den Zuschauerinnen und Zuschauern kräftig bejubelt. Nicht minder der Regisseur höchstselbst, der den Schlussapplaus ausgiebig genießt.«

Donaukurier – 21.03.2022
»Herrlich das clowneske Zusammenspiel«

»Hoch konzentriert agiert das Ensemble, mit großer Energie und Präzision. Allen voran Enrico Spohn in der Rolle des Behringer. Ein Jedermann mit müdem Mut und wundem Herzen, der seinen Weltekel mit Alkohol melancholisch verbrämt. Einer, der sich durchwurstelt. Nicht besonders schlau, nicht besonders engagiert, weder kulturell noch politisch interessiert, mit sympathischem Phlegma. Aber ein Freund. Einer wie wir. Und: ein Aufrechter. Dass er am Ende der Einzige ist, der übrig bleibt, weil er sich besinnt aufs Menschsein und darauf, dass die Wahrheit auch Kampf bedeutet, nimmt man mit als Zeichen der Hoffnung aus dieser Inszenierung. Virtuos ist dieses Spiel von Enrico Spohn. Facettenreich. Ein immer wieder überraschender Mix aus Arlecchino und Buster Keaton. Und herrlich das clowneske Zusammenspiel mit Sascha Römisch als Freund Hans. Szenenapplaus gibt es für Römischs Nashorn-Transformation auf offener Bühne. Wie aus dem vermeintlich vergrippten Patienten ein schnaufendes, keuchendes, wütendes, trampelndes Tier wird, das ist schon eins der Highlights des Abends. Wie auch das absurde Gespräch zwischen dem Logiker und dem Älteren Herrn, denen Richard Putzinger und Ulrich Kielhorn Gestalt verleihen. Köstlich diese exzessive Bedeutsamkeit in Sprache und Spiel. Oder Philip Lemkes Interpretation des Karrieristen Stech, der sich Schritt für Schritt, immer lauter, immer stampfender den marschierenden Nashörnern angleicht. Victoria Voss als Frau Wisser (Peymann gendert hier), Teresa Trauth als Frau Ochs, Katharina Hintzen als Daisy, Sandra Julia Reils und Sebastian Kremkow – sie alle agieren in ihren Rollen mit differenzierter Künstlichkeit, subtil und erfindungsreich, in der drastischen Lächerlichkeit bisweilen berührend und beeindruckend im gewitzt choreografierten Ensemblespiel.«

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Süddeutsche Zeitung – 21.03.2022
»Kleines Meisterwerk«

»A priori fragt man sich:Was will man denn da? Claus Peymann inszeniert Ionescos ›Die Nashörner‹. Am Stadttheater Ingolstadt, ein Vorgang, für den Thomas Bernhard vermutlich vor Freude sein Stück ›Der Theatermacher‹ angepasst hätte. Zwar ist Ingolstadt nicht Butzbach oder Utzbach, es bleibt aber dennoch die Frage, was man vom ältestmöglichen weißen Mann des deutschsprachigen Theater erwarten soll - Peymann ist Jahrgang 1937 -, wenn der ein Stück auf die Bühne bringt, das zwar politisch hellsichtig, aber halt auch ästhetisch in einer vergangenen Zeit verhaftet ist. Hinterher stellen sich diese Fragen nicht mehr, weil man einem kleinen Meisterwerk beiwohnte, einer intellektuell durchlässigen, hochpräzisen und rasanten Aufführung mit bewundernswerten Darstellern. [...] Enrico Spohn spielt den Behringer, als wäre er Marcel Carnés Film ›Kinder des Olymps‹ oder einer anderen poetischen Idee entstiegen, er kann zusammensinken wie eine Marionette, deren Fäden durchgeschnitten sind, er schwärmt und verzweifelt, er ist wundervoll. Und Sascha Römisch liefert ein Kabinettstück ab, wird auf offener Bühne schnaubend und grunzend zum Nashorn, während er als Hans protofaschistischen Unsinn absondert. Alles, was die insgesamt zehn Menschen auf der Bühne spielen, ist pure Faszination, und Claus Peymann feiert sie voller Dankbarkeit beim Schlussapplaus.«

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