Die Konferenz der Vögel

Die Konferenz der Vögel

von Jean-Claude Carrière • Nach einem Epos von Fariduddin Attar

Deutsch von Renate Doufexis • Fassung von Knut Weber

Krisen wohin man schaut: gespaltene Demokratien, Clash der Kulturen und Geschlechter, kollabierende Finanzmärkte und die anstehende Veränderung des Klimas. Bei all den widersprüchlichen und verwirrten Stimmen ist schwer zu erkennen, was die gewohnte Gesellschaftsordnung noch zusammenhalten soll. Plötzlich überrascht uns eine Krise, die niemand erwartet hätte. Das Coronavirus ist eine Macht, gegen die selbst Fortschritt und moderne Technik keine schnellen Lösungen bieten können. Aber es ist auch: ein Brennglas, ein Katalysator. Und eine Chance?! Oberspielleiterin Mareike Mikat befragt den pandemischen Effekt und erarbeitet zusammen mit ihrem Team einen Theaterabend, der sich mit unserer unmittelbaren Gegenwart beschäftigt: Was bedeutet Glaube in einer Zeit, in der Krisenerscheinungen jeder Art alle bisherigen Gewissheiten infrage stellen? Wohin wollen wir mit unserer Gesellschaft? Wollen wir wirklich zurückkehren in ein DAVOR?

Für die Vorstellungen am 29. und 30. Mai können Sie sich hier auf die Warteliste setzen. 

 

Regie: 
Knut Weber
Ausstattung: 
Monika Gora
E-Piano, Perkussion, Sequenzer: 
Tobias Hofmann
Choreografie: 
Katja Wachter
Video: 
Stefano Di Buduo
Mitarbeit Video: 
Momchil Alexîev
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Künstlerisch-technische Produktionsleitung: 
Manuela Weilguni
Premiere am ,
Freilichtbühne im Turm Baur
Dauer: 90 Minuten
Donaukurier – 21.09.2020
»Umjubelter Spielzeitauftakt«

Knut Weber setzt "Die Konferenz der Vögel" eindrucksvoll im Turm Baur in Szene  

[...] Mit der "Konferenz der Vögel", dieser großen mystische Dichtung der persischen Literatur aus dem 12. Jahrhundert in der Theaterfassung von Jean-Claude Carrière eröffnete das Stadttheater Ingolstadt am Samstagabend unter freiem Himmel die Saison.[...] Die Corona-Pandemie hat alles durcheinandergewirbelt und dem Kulturbetrieb ein striktes Sicherheits- und Hygienereglement auferlegt: weniger Zuschauer, Mindestabstände, Kontaktdatendokumentation, Maskenpflicht. Auch für die Schauspieler gilt ein solches Konzept: Abstand, personalisierte Microports und Requisiten, Make-up-Tutorials. Wie trotz alledem im kreativen Prozess etwas entsteht, das nicht irgendwie nach Corona-Kompromiss aussieht, sondern künstlerisch eigenständig und mit großer poetischer Kraft wirkt, führt Regisseur Knut Weber mit dieser ersten Produktion eindrucksvoll vor Augen. Am Ende dieses so märchen- wie rätselhaften und doch erhellenden Abends gibt es minutenlangen Applaus. 

[...] Vor allem aber ist es auch ein ästhetisches Gesamtkunstwerk. Von Peter Brooks Gedanken über den leeren Raum hatte man sich inspirieren lassen - also von der Rückbesinnung des Theaters auf das Wesentliche. Ausstatterin Monika Gora hat ein hölzernes Halbrund in das Festungsrund des Turm Baurs gesetzt und mit Sand gefüllt - auf dieser Fläche agieren die Schauspieler. Das Pendant dazu bildet ein kleinerer hölzerner Kreis, der das Eingangstor umfasst - und das Weltenrund symbolisiert. Ganz vorn sieht man riesige weiße Maskenköpfe: Archetypen aus dem Geschichtenkosmos: die Prinzessin, der Derwisch, der König, der Weise. Ganze Arbeit haben Maske und Kostümabteilung da geleistet. Superb sind vor allem die Vögel gearbeitet, die da über die Bühne flattern: all die feinen Haken-, Balz-, Taucher- und Pinzettenschnäbel, kurz, schmal, spitz, flach, kühn geschwungen, knallbunt; dazu die fantastischen Federkleider von protziger Pfauenornamentik bis zum zartesten Schiefergraubraun. Köstlich ist das, was sich Monika Gora für die einzelnen Vögel ausgedacht hat [...].

[...] Überwältigend ist aber vor allem, wenn sie in Flugformation gehen - und in Katja Wachters Choreografie durchstarten: das Scharren der Beine, der rhythmisierte Flügelschlag, die rotierenden Bewegungen, die unterschiedliche Taktung in Slow Motion, Gleitflug, Schwirrflug, Schlagflug. Der Moment, wo aus vielen Individuen eins wird. Dazu die Musik von Tobias Hofmann und seiner fünfköpfigen Band, die sich bei der Minimal Music bedient, hier flirrt und strahlt, dort seufzt und klagt, Melodienbögen malt und Zeitenwenden einläutet - vom Chaos des Weltenklangs über Reduktion, Kontinuität, Rhythmisierung zur Ordnung. Das Spiel lebt auch von der Nacht. Wenn die Vögel die sieben Täler durchqueren, sieht man droben den dunklen Himmel, während Stefano Di Buduos Videokunst die Fassade des Turm Baurs in schwarz-weiße Wirrnis verwandelt, in amorphe Strukturen, in Wasser- und Feuerexplosionen und Unsagbares in Sternbildmustern auflöst.[...]

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Kulturkanal – 21.09.2020
»Theatererlebnis für alle Sinne«

»Regisseur Knut Weber hat mit der Ausstatterin Monika Gora, dem Videokünstler Stefano di Buduo, der Live-Musik von Tobias Hofmann, der Choreographin Katja Wachter und einem 10-köpfigen Schauspielensemble ein reduziertes, und dennoch atmosphärisch dichtes Gesamtkunstwerk geschaffen [...]. Da gibt es […] eine nur dezent farbige und dennoch sehr poetische Bildwelt, die offen genug ist, um Gegenwart und Allgemeingültigkeit, rätselhafte Mystik und die Drastik kleiner Binnengeschichten ästhetisch und erzählerisch eindrucksvoll unter einen Hut zu bringen. […] Mira Fajfer, Judith Nebel, Olivia Wendt, Sarah Schulze Tenberge, Theresa Weihmayr, Michael Amelung, Benjamin Dami, Philip Lemke und Ralf Lichtenberg sind ein wunderbar homogenes Ensemble mit individuellen Glanzlichtern. Sie imitieren ihren Vogeltypus in Haltung und Stimme, kommentieren individuell die Situationen und fügen sich in ein faszinierend choreographiertes Bild vom Vogelflug, sie werden zu menschlichen Spielern, charakterisieren bewegend die Rollen der Binnengeschichten wie Judith Nebel als vor Angst zitternder Sklave oder Mira Fajfer und Philip Lemke als kaltherzige Prinzessin und unglücklich verliebter Derwisch. Und die 5-köpfige Band um Tobias Hofmann setzt stimmungsvolle Akzente mit Gong, Geige, E-Gitarre oder Klarinette und vereint sich schließlich mit den menschlichen Stimmen zu einem metaphorischen Schlussbild der Kreisbewegung des Kollektivs um ein Feuer. Großes, eindrucksvolles Theater ist auch unter Pandemiebedingungen möglich.«

Den vollständigen Beitrag finden Sie hier.

 

Neuburger Rundschau / Augsburger Allgemeine Zeitung – 24.09.2020
»Beeindruckende Maskenkunst«

»Knut Webers Inszenierung bezaubert […] durch das Ausstellen der Verwandlungskünste, das Spiel mit Illusion und Desillusion, mit dem Erzählen kleiner Geschichten […].« Der Gesamteindruck besticht durch »starke Ästhetik durch eine fantastische Ausstattung (Monika Gora), atmosphärisch signifikante Videoeinspielungen (Stefano Di Buduo), die fast minimalistisch akzentuierende Bühnenmusik (Tobias Hofmann mit seinem vorzüglichen Quintett). Die famose Ingrid Cannonier als Wiedehopf führt moderierend die illustre, spielfreudige, aus insgesamt zehn Arten bestehende Vogelschar an. Die Premiere wurde mit reichlichem Beifall bedacht.«