Die Konferenz der Vögel

von Jean-Claude Carrière • Nach einem Epos von Fariduddin Attar

Deutsch von Renate Doufexis • Fassung von Knut Weber

Die Welt: Krieg, Gewalt, Krankheit, Armut und Tod, wohin man sieht. Inmitten der Zerstörung wacht der Dichter Attar aus einem unruhigen Traum auf und stellt fest, dass er sich in einen Wiedehopf verwandelt hat. Der Wiedehopf ruft alle Vögel der Erde zu einer Konferenz und erzählt ihnen von einem fernen Land. Dort auf dem Berg Kaf lebt ein König, der allein dazu in der Lage ist, die Welt vor der Apokalypse zu retten. Tausende Vögel folgen dem Wiedehopf auf dieser beschwerlichen und schier endlosen Reise: Sie werden sieben Täler durchfliegen und gegen Stürme, Regen, Eis und glühende Hitze kämpfen. In jedem der sieben Täler stehen die Vögel vor neuen Herausforderungen: Sie müssen sich von Wünschen, Vorstellungen, Hoffnungen verabschieden, müssen schwierige Aufgabe lösen und sich unvorhersehbaren Ereignissen stellen – oft ist dies ein Kampf um Leben oder Tod.

Nicht von ungefähr wählt der persische Poet Fariduddin Attar ausgerechnet »Vögel « als Protagonist*innen. Seit Alters her stellt der Vogel die Verbindung zwischen den Menschen und den Göttern dar und steht für Gedankenfreiheit und Transzendenz. Der Vogel gilt als archetypisches Seelentier, das im Tod seinen körperlichen Käfig verlässt und ewige Freiheit erhält. »Das Versepos aus dem 12. Jahrhundert, fasziniert durch archaische Kraft, die in das 21. Jahrhundert hineingreift: Die Konferenz der Vögel spiegelt eine aufgeklärte Gesellschaft, in der jeder Einzelne selbstbewusst, verantwortlich und in Würde handelt. Jeder ist König, diese Erkenntnis ist nicht nur eine spirituelle oder existenzielle, sondern immer eine politische«, so Knut Weber.

Regie: 
Knut Weber
Ausstattung: 
Monika Gora
Musikalische Leitung, Komposition: 
Tobias Hofmann
Choreografie: 
Katja Wachter
Video: 
Stefano Di Buduo
Mitarbeit Video: 
Momchil Alexîev
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Künstlerisch-technische Produktionsleitung: 
Manuela Weilguni
Premiere am ,
Freilichtbühne im Turm Baur
Dauer: 90 Minuten
Donaukurier – 21.09.2020
»Auf dem Weg zur Selbsterkenntnis«

[...]Eine kluge Wahl hat Knut Weber mit diesem Stoff getroffen. Attars Epos aus dem 12. Jahrhundert wirkt bis ins 21. Jahrhundert hinein. Umso mehr, als der Regisseur die religiöse Komponente zugunsten einer größeren Abstraktion und Konzentration gestrichen hat.[...] 

Und die Schauspieler erwecken ihre Vögel mit all ihren Eigenheiten lustvoll zum Leben. Überwältigend ist aber vor allem, wenn sie in Flugformation gehen - und in Katja Wachters Choreografie durchstarten: das Scharren der Beine, der rhythmisierte Flügelschlag, die rotierenden Bewegungen, die unterschiedliche Taktung in Slow Motion, Gleitflug, Schwirrflug, Schlagflug. Der Moment, wo aus vielen Individuen eins wird. Dazu die Musik von Tobias Hofmann und seiner fünfköpfigen Band, die sich bei der Minimal Music bedient, hier flirrt und strahlt, dort seufzt und klagt, Melodienbögen malt und Zeitenwenden einläutet - vom Chaos des Weltenklangs über Reduktion, Kontinuität, Rhythmisierung zur Ordnung.

[...]Am Ende dieses o märchen- wie rätselhaften und doch erhellenden Abends gibt es minutenlangen Applaus.[...]

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