Sarah Horak / © Jochen Klenk

Die arabische Nacht

Roland Schimmelpfennig

Der Jugendclub II des Stadttheaters Ingolstadt hat in dieser Spielzeit mit dem Stück des Berliner Theaterautors Zoran Drvenkar eine seiner größeren Produktionen innerhalb der letzten Jahre umgesetzt. Insgesamt 17 Darsteller hat Spielclubleiter Sascha Römisch in seiner Inszenierung des Großstadt-Krimis auf die Bretter geschickt, die in diesem Fall die Straßen eines urbanen Brennpunkt-Viertels irgendwo in Deutschland bedeuten.

Erzählt wird die Geschichte zweier Jugendgangs, deren angespanntes Verhältnis zueinander nach einer Schießerei so sehr eskaliert, dass schließlich sogar ein Mord passiert. Mitten im Spannungsfeld der Machtkämpfe und Intrigen stehen zwei sehr unterschiedliche Jugendliche und die langsame Entwicklung ihrer ungewöhnlichen Freundschaft. Der sensible Locke lebt bei seiner realitätsentrückten Mutter, für die er mehr Sorge trägt als umgekehrt, Cengiz bei dem despotischen Vater, vor dessen Entgleisungen ihn nicht einmal die eigene Mutter schützen will. Zwei Jugendliche, deren Zuhause die Straße ist, mit all ihren eigenen Gesetzen, Ritualen und sozialen Strukturen.

Drvenkar, der von sich selber sagt, er schreibe nicht für »zu pädagogisierende Jugendliche« ist wohl gerade deswegen ein spannendes und sehr echtes Soziogramm gelungen, das angenehm wenig moralisierend, dafür aber temporeich, kraftvoll und doch auch sensibel die Entwicklung einer neu entstandenen Freundschaft zeigt.

Bitte beachten Sie, dass in der Inszenierung »Cengiz und Locke« Stroboskopeffekte zum Einsatz kommen.

Am Samstag, 6. Juli um 11:00 Uhr findet im Rahmen des Jungen Futurologischen Kongress eine weitere Vorstellung von »Cengiz und Locke statt. Kostenlose Einlasskarten erhalten Sie an der Theaterkasse.

Regie: 
Marlene Anna Schäfer
Ausstattung: 
Jan Hendrik Neidert, Lorena Díaz Stephens
Klanginstallation: 
Olli Holland
Dramaturgie: 
Gabriele Rebholz
Künstlerisch-technische Produktionsleitung: 
Manuela Weilguni
Theatervermittlung: 
Bernadette Wildegger
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 75 Minuten
Trailer: »Die Arabische Nacht«
v.l.n.r.: Sarah Horak, Sarah Schulze-Tenberge, Matthias Zajgier, Richard Putzinger, Jan Beller / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Horak, Richard Putzinger, Sarah Schulze-Tenberge / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Jan Beller, Matthias Zajgier, Sarah Horak, Richard Putzinger, Sarah Schulze-Tenberge / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Schulze-Tenberge, Sarah Horak / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Schulze-Tenberge, Richard Putzinger / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Schulze-Tenberge, Matthias Zajgier / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Jan Beller, Richard Putzinger, Sarah Schulze-Tenberge, Matthias Zajgier, Sarah Horak / © Jochen Klenk Sarah Schulze-Tenberge / © Jochen Klenk Sarah Schulze-Tenberge, Jan Beller / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Horak, Richard Putzinger, Matthias Zajgier / © Jochen Klenk Sarah Horak / © Jochen Klenk Sarah Horak, Richard Putzinger / © Jochen Klenk Sarah Schulze-Tenberge / © Jochen Klenk Sarah Schulze-Tenberge / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Horak, Richard Putzinger, Sarah Schulze-Tenberge / © Jochen Klenk Sarah Schulze-Tenberge, Richard Putzinger / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Horak, Sarah Schulze-Tenberge, Richard Putzinger / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Richard Putzinger, Sarah Schulze-Tenberge / © Jochen Klenk v.l.n.r.: Sarah Schulze-Tenberge, Richard Putzinger / © Jochen Klenk Sarah Horak, Jan Beller / © Jochen Klenk
Süddeutsche Zeitung – 10.05.2019
»Zum Abheben«

»Die Regisseurin Marlene Anna Schäfer fürchtet sich nicht vor der rätselhaften Magie des Stücks […]. Sie schafft kein Kitschmärchen, keine Groteske und keine Lesung, sondern ein poetisches, wohltemperiertes Spiel. Sie lässt den Worten Raum zum Atmen, wie auch ihre Bühne ein luftiger, von Plastikplanen umschwebter Ort ist, der Drinnen und Draußen zugleich sein kann, Wüste und Cognacflasche. […] Die Schauspieler berichten nach vorn, ins Publikum hinein, von ihren persönlichen Strapazen dieser Nacht und sind doch von der Regie fein aufeinander abgestimmt. Sie berühren sich und berühren sich doch nicht. So kann sich Schimmelpfennigs unaufdringlicher Humor leicht entspinnen, ohne dass die Rätselhaftigkeit des Stücks verloren ginge. Ein Abend, so angenehm wie ein Teppichflug ohne Turbulenzen.«

Gesamten Artikel lesen

Donaukurier – 06.05.2019
»moderner Sommernachtstraum [...] von einem hingerissenen Premierenpublikum lange beklatscht«

Positiv fällt die Kritik im Donaukurier aus: Das Stück ziehe den Zuschauer sofort in seinen Bann – »durch seine Sprachmacht, seine Poesie, seine ungewöhnliche Komposition, seine irrwitzige Fabulierkunst. […] Die einzelnen Monologe sind raffiniert ineinander montiert, verweben sich delikat mit einer Vielzahl von Echos zu Geschichten und münden in einen vielstimmigen Chor aus Furcht, Traum und Begehren. […] Mit großer Präzision fügt Regisseurin Marlene Schäfer die einzelnen Stimmen zu einem virtuosen Sprechkonzert zusammen, lässt sie anschwellen und wogen und flüsternd versiegen und entfaltet aus Alltäglichem eine eigenartige Magie. Mit Richard Putzinger, Sarah Horak, Sarah Schulze-Tenberge, Matthias Zajgier und Jan Beller steht ihr ein energiegeladenes Ensemble zur Verfügung, das seinen Figuren tragikomische Dimension zu verleihen weiß. […] Der Text verlangt ein feines Gespür für Tempo und Rhythmik, Vagheiten und Irritationen. Marlene Schäfer bringt das alles mit und choreografiert mit geradezu beschwingter Leichtigkeit. Zugleich evoziert sie wundersame Bilder – wenn der Mond aufgeht, die Sterne leuchten oder Sarah Schulze-Tenberges riesiger Schatten an der Wand tatsächlich an Scherenschnitte aus einem Märchenbuch erinnert. […] Wer sich auf diese fantastische Reise einlässt, wird sich hier bestens unterhalten.«

Gesamten Artikel lesen

Kulturkanal – 06.05.2019
»Großer Beifall«

»Regisseurin Marlene Anna Schäfer hat den Redefluss der Figuren, die übereinander, aber nicht miteinander sprechen, klug strukturiert und die Parallelaktionen einfallsreich umgesetzt, ohne das Beschriebene visuell zu doppeln. Und so können aus der Diskrepanz des Gesagten und des Gezeigten durchaus auch komische Situationen entstehen.« Die herbe, technische Ästhetik der Ausstatter Lorena Diaz Stephens und Jan Hendrik Neidert lasse dem Zuschauer Spielraum für die eigene Bildphantasie.

Gesamten Beitrag zum Reinhören

 

mehr Pressestimmen