Der Schneesturm / © Jochen Klenk

Der Schneesturm

Nach dem Roman von Vladimir Sorokin

Deutsch von Andreas Tretner

In einem russischen Provinzdorf ist eine rätselhafte Seuche ausgebrochen. Der Landarzt Garin muss so schnell wie möglich in den Ort fahren, um die Menschen gegen die Krankheit zu impfen. Es wütet jedoch ein heftiger Schneesturm, der jedes Fortkommen erschwert. Die erste Etappe bestreitet der Arzt mit der Postkutsche. Als die Pferde keine Kraft mehr besitzen, heuert er für die restliche Strecke den bodenständigen Brotkutscher Kosma an. Die ungleichen Männer brechen auf mit einem Schneemobil, das von fünfzig winzigen Pferden gezogen wird. Das Ziel scheint trotz des winterlichen Treibens in wenigen Stunden erreichbar zu sein. Was als schnelle Rettungsaktion beginnt, entwickelt sich jedoch immer mehr zu einer Reise voller Hindernisse. Denn die beiden treffen auf Zwerge, Riesen und zwielichtige Händler, die eine mysteriöse Wunderdroge verkaufen.

Auch die Welt der Reisenden verwandelt sich im Laufe der Zeit. Während man zu Beginn noch glaubt, im Russland des 19. Jahrhunderts zu sein, erscheinen später moderne Technologien wie Hologramme und eine Paste, die Filz wachsen lässt. Vladimir Sorokin schrieb mit »Der Schneesturm«, 2012 in Deutschland erschienen, eine phantastische Geschichte, die mit der russischen Literaturtradition von Tolstoi über Tschechow bis Gogol leichtfüßig spielt und gleichzeitig eine düstere Zukunftsvision seines Heimatlandes entwirft. Ein unterhaltsames, groteskes und bitterböses Meisterwerk. Am Stadttheater Ingolstadt bringt Oberspielleiterin Mareike Mikat den vielschichtigen Stoff auf die Theaterbühne. »Wie sich eine ganze Gesellschaftsordnung verliert, zerfällt und auflöst. Davon erzählt Sorokin auf eine märchenhafte, erbarmungslose und faszinierend tröstliche Art«, so die Regisseurin.

Hier finden Sie das Programmheft.

 

Aufführungsrechte: Vladimir Sorokin (Autor) und Andreas Tretner (Übersetzer)

Regie: 
Mareike Mikat
Bühne: 
Simone Manthey
Kostüme: 
Anna Sörensen
Musikalische Leitung, Komposition: 
Enik
Video: 
Esteban Nuñez
Dramaturgie: 
Johann Pfeiffer
Künstlerisch-technische Produktionsleitung: 
Manuela Weilguni
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 105 Minuten
Theater der Zeit – 01.12.2020
Schöne Balance

»Sehr klar wird […] die schöne Balance zwischen nostalgisch und futuristisch anmutenden Bühnenzitaten und Erzählweisen. Die Schauspieler tragen bunte Kopftücher und Russenmützen, um die Protagonisten herum bemühen sich fünf weitere Erzähler um den Fortgang der Geschichte, schwenken an Angelruten hängende Lämpchen für den Sternenhimmel oder bringen Kunstschnee aus Blasrohren direkt an den Mann. Mit bestrumpften Armen werden die Minipferdchen markiert, und knirschende Schritte im Schnee wie sämtliche Sturmgeräusche werden live erzeugt. Mit dieser handgemachten Ästhetik unterläuft die Ingolstädter Oberspielleiterin charmant die Erwartungen an ein magisch-realistisches Bebilderungstheater, das der Roman durchaus wecken kann. Aber auch filmische Einspielungen von verschneiten Waldwegen gibt es, das Hologramm einer Radiosprecherin oder eben ein albernes Schattenspiel: Das passt in seiner dezidierten Heterogenität ebenso prächtig zusammen wie zum Stoff.«

Donaukurier – 26.10.2020
»Großer Jubel für Mareike Mikats bildgewaltigen ›Schneesturm‹«

»Oberspielleiterin Mareike Mikat hat aus dem komplexen 200-Seiten-Werk eine außergewöhnliche Spielfassung destilliert, die zwischen Erzähl- und Spielszenen changiert, mit bildersatter Märchenopulenz und verschwenderischer Klangfülle besticht und ein Ensemble in Bestform präsentiert. Die Premiere am Samstagabend im Großen Haus wurde frenetisch gefeiert. […] Martin Valdeig und Péter Polgár als Garin und Krächz sind ein wunderbares Duo. Mit einer großen Präsenz, viel Energie und einem federleichten Witz in ihren existenziellen Kämpfen. […] Der Clou aber ist, dass die Regisseurin das Stück als Live-Hörspiel inszeniert. Von Enik stammen die faszinierenden Sounds und Kompositionen für diesen ›Schneesturm‹. […] Alles, wirklich alles stimmt an dieser Inszenierung. Von der klugen Text- über die innovative Spielfassung, von der poetischen Bildsprache mit der spannenden Videoästhetik […] über die vielschichtigen Auseinandersetzung mit globalen Phänomenen bis hin zu den pfiffigen Bühnenlösungen mit pelzigen Sockentier-Pferdchen und der Begrüßung des Publikums mittels Hologrammradio. […] Ein Schauspielfest. 105 Minuten mitreißende Unterhaltung. Zum Nach- und Weiterdenken.«

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Kulturkanal – 26.10.2020
»Skurrile Welt«

»Sehr einfallsreich wird die Erzählung auf wechselnde Sprecher verteilt und durch das Bühnengeschehen nicht einfach illustriert. […] So ist diese ›Schneesturm‹ - Inszenierung mit ihren unterschiedlichen Bildebenen auch ein virtuoses Spiel mit illusionistischen und epischen Bühnenmitteln, mit ironischer Distanz und darstellerischer Direktheit. […] Man kann an diesem Abend lustvoll eintauchen in die Kuriositäten und Absurditäten dieser mission impossible.«

Den vollständigen Beitrag finden Sie hier.

 

mehr Pressestimmen