Der Revisor / © Jochen Klenk

Der Revisor

Nikolaj Gogol

Deutsch von Alexander Nitzberg

Bestechung, Erpressung, Unterschlagung ! Gelder werden veruntreut, wichtige Posten unter der Hand verteilt, kurz: Kleine und große Gefälligkeiten werden gerne vergeben, wo Vorteile erhofft werden. So hält man es seit Jahren in dieser Stadt und ist bislang locker damit durchgekommen. Doch da bricht Panik aus ! Es ist durchgesickert, dass ein Revisor kommt, um die Stadtverwaltung einer gründlichen Inspektion zu unterziehen. Jetzt gelten die Devisen: »Jeder ist sich selbst der Nächste« und »Rette sich, wer kann !«.

Aber es kommt noch schlimmer. Es wird geflüstert, der Revisor sei bereits da und es könne nur Chlestakow sein, der seit zwei Wochen inkognito im Gasthaus wohnt, die anderen scharf beäugt und seine Rechnungen nicht bezahlt. Sofort wird dieser in Beschlag genommen. Man schmeichelt sich ein, bläht sich auf, intrigiert und denunziert, was das Zeug hält. Denn, warum sollte der Revisor nicht sein, was alle anderen sind: bestechlich ! »In Zeiten von Fake News, alternativen Fakten, Echoräumen und dergleichen mehr, scheint es heute zumindest nicht leichter geworden zu sein, zwischen Behauptung und Wahrheit zu unterscheiden. Da ist uns ›Der Revisor‹ erschreckend nah. Aber ebenso nah, zumindest mir, ist Gogols Bewältigungsstrategie dieser Misere, nämlich: dies alles dem Gelächter preiszugeben«, so Regisseur Sebastian Kreyer.

Regie: 
Sebastian Kreyer
Ausstattung: 
Lena Thelen
Musik und Video: 
Valerij Lisac
Dramaturgie: 
Dr. Judith Werner
Künstlerisch-technische Produktionsleitung: 
Manuela Weilguni
Ausstattungsassistenz: 
N.N.
Theatervermittlung: 
Bernadette Wildegger
Premiere am ,
Großes Haus
Dauer: 150 Minuten, mit Pause
Donaukurier – 09.12.2019
»Provinznest in Schieflage«

Sebastian Kreyer geht »mit unglaublicher Präzision ans Werk. Die Missverständnisse in Gogols Verwechslungskomödie liegen von Beginn an klar auf der Hand. Gerade aus dem immerwährenden Scheitern der Figuren erwächst die Komik. […] Keine der Figuren hat Gogol irgendwie sympathisch gezeichnet. Aber Kreyer gibt sie nicht einfach der Schadenfreude des Publikums preis, sondern führt sie uns als eine Art Zerrspiegel vor – einzeln und als Gruppe. In ihrer Unterwürfigkeit und ihrem Größenwahn, als Denunzianten und Opportunisten. Ein schräges, aber auch sehr menschliches Panoptikum. Hier geht es nicht nur um Macht und Machterhalt, sondern auch Wahrheit und Lüge, um Fake News und (Selbst)Inszenierung. Wie dünn dabei die Grenze zwischen Tragödie und Komödie ist, zeigt Kreyer so hellsichtig wie unterhaltsam. Und er hat dafür ein vortreffliches Ensemble zur Verfügung. […] Wie sie alle herumdrucksen, sich anbiedern, winden und erklären, wie schnell sie Allianzen bilden und auflösen, das ist virtuos und herrlich anzusehen. […] Regisseur Sebastian Kreyer arbeitet zeichenhaft, mit Bild- und Wortwitz, mit Atmosphären, surrealer Videokunst und Sounds (Valerij Lisac) und feinen Bewegungschoreografien. Wie alles ineinandergreift, ist klug gedacht und perfekt gemacht.«

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Kulturkanal – 09.12.2019
»Eine kluge und höchst amüsante Gesellschaftssatire«

»Sebastian Kreyers Inszenierung von Nicolai Gogols Komödie ›Der Revisor‹ spielt virtuos mit vielen komödiantischen und ironischen Mitteln und öffnet immer wieder – augenzwinkernd – akustische und visuelle Fenster aus dem zaristischen 19. Jahrhundert in eine nahe Gegenwart. Eine vielschichtige Aufführung im Großen Haus des Stadttheaters Ingolstadt, bei der lustige Provinzposse und die Beklemmung über menschliche Schwächen nahe beieinander liegen. […] Präzise Komödiantik in ganz unterschiedlichen Facetten fächert dieser Gogol-Abend auf. Sebastian Kreyers ›Revisor‹- Inszenierung ist eine intelligente, perfekt getimte und sehr amüsante Gesellschafts-Satire. Und auch wenn dabei diese russischen Provinzler aus dem 19. Jahrhundert starke Karikaturen sind: Sie kommen uns liebenswert vertraut vor. So soll es sein.«

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