v.l.n.r.: Claudio Gatzke, Maik Rogge, Robert Naumann, Yael Ehrenkönig / © Ludwig Olah

Das lange Nachspiel einer kurzen Mitteilung (DSE)

Magne van den Berg

Übersetzt von Eva M. Pieper

Es gibt Sätze, die den Lauf der Geschichte und die Welt verändert haben.

Ob bei der Mondlandung oder beim Fall der Berliner Mauer – hier wurden bedeutende Wort gesprochen. Was Jon an einem ganz normalen Tag zu seinen Freunden sagt, klingt dagegen völlig banal: »Ich trage mich mit dem Gedanken, von hier wegzugehen«. Dabei ist sich Jon nicht einmal sicher, ob er das wirklich machen will. Und doch verändert der Satz alles für ihn und seine Freunde Sjon, Johan und Louise. Warum will er weg und wohin eigentlich? Jons kurze Mitteilung löst eine Diskussion aus, die das gewohnte Gefüge ins Wanken bringt: Wer ist wirklich ein Freund und wer tut nur so? Enttäuschte Hoffnungen, erloschene Liebe und nüchterne Gleichgültigkeit – »Das lange Nachspiel einer kurzen Mitteilung« rast im Sprach-Stakkato über die Gefühlsklaviatur. Kunstvoll und mit einem feinen Gespür für die Stille, formt Magne van den Berg die Dialoge zwischen ihren Figuren und lenkt den Blick auf die Fragilität zwischenmenschlicher Beziehungen.

Inszenierung: 
Maaike van Langen
Ausstattung: 
Jürgen Kirner
Dramaturgie: 
Paul Voigt
Premiere am ,
Studio im Herzogskasten
Dauer: 70 Minuten
v.l.n.r.: Yael Ehrenkönig, Claudio Gatzke / © Ludwig Olah Robert Naumann und Ensemble / © Ludwig Olah Yael Ehrenkönig / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Robert Naumann, Claudio Gatzke / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Maik Rogge, Yael Ehrenkönig / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Claudio Gatzke, Robert Naumann / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Maik Rogge, Claudio Gatzke, Robert Naumann / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Claudio Gatzke, Maik Rogge, Robert Naumann, Yael Ehrenkönig / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Maik Rogge, Claudio Gatzke, Yael Ehrenkönig, Robert Naumann / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Claudio Gatzke, Maik Rogge, Robert Naumann, Yael Ehrenkönig / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Robert Naumann, Claudio Gatzke / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Robert Naumann, Claudio Gatzke / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Yael Ehrenkönig, Claudio Gatzke / © Ludwig Olah Yael Ehrenkönig / © Ludwig Olah Robert Naumann / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Yael Ehrenkönig, Maik Rogge, Robert Naumann, Claudio Gatzke / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Robert Naumann, Maik Rogge, Claudio Gatzke, Yael Ehrenkönig / © Ludwig Olah Yael Ehrenkönig / © Ludwig Olah v.l.n.r.: Yael Ehrenkönig, Maik Rogge, Claudio Gatzke / © Ludwig Olah
Donaukurier – 16.10.2017
»Maaike van Langens Inszenierung zeugt von hoher Kunstfertigkeit«

Nach der Premiere von »Das lange Nachspiel einer kurzen Mitteilung« am Freitagabend im Studio lobt der Donaukurier Regisseurin van Langen: »Sie überträgt die rhythmische Struktur des Textes in Spiel, in Kampf, in Tanz – und bietet der Musik der Sprache Raum«. Besondere Beachtung findet das Bühnenbild, »ein spannender Raum (Ausstattung: Jürgen Kirner). Ein hoch ästhetischer […] dazu«, der Assoziationen passend zur Handlung hervorruft. Als »virtuos« wird die Darstellung der Schauspieler bezeichnet. »Yael Ehrenkönig, Maik Rogge, Robert Naumann und vor allem Neuzugang Claudio Gatzke brillieren in ihren Rollen, geben ihren Figuren Tiefe, zeigen in Kurz- und Kürzestdialogen alle Facetten der Beziehungs-Tour-de-Force. […] Großartig ist ihr Zusammenspiel, weil sie den kühn komponierten Text […] mit so viel Leben, Skurrilität, Drastik und Melancholie zu füllen vermögen«, stellt der Donaukurier abschließend fest.

Augsburger Allgemeine – 16.10.2017
»Ein Lehrstück über Eifersucht und Begierde, Untreue und Betrug, Verrat und Verlust«

Über die »geradezu hermetischen Versuchsanordnung« über menschliche Beziehungen, das Stück »der Niederländerin Magne van den Berg, das ihre Landsmännin Maaike van Langen für das Studio des Stadttheaters Ingolstadt in deutscher Erstaufführung inszeniert hat.« schreibt die Augsburger Allgemeine begeistert von einer »Emotions-Lawine aus Mutmaßungen, Verdächtigungen und Unterstellungen […], die alle Gewohnheiten und Gewissheiten unter sich begräbt.« – »nach anfänglichem Abtasten [fallen] mit jedem Satz auch nach und nach die Hemmungen, wahre Spreng-Sätze bringen das bislang feste Beziehungskonstrukt zum Einsturz.«. Anerkennend schreibt die Augsburger Allgemeine »Auch wenn es gelegentlich recht körperlich zur Sache geht, und Bühnenblut zum Einsatz kommt, stört kein theatraler Aktionismus die Wirkung des Wortes.« Das Ensemble aus »Yael Ehrenkönig, Claudio Gatzke, Robert Naumann und Maik Rogge liefern hochkonzentriert die scheinbar simplen Dialoge ab.«

Kulturkanal – 16.10.2017
»Grandios inszeniert. Komisch, überraschend, erschreckend«
Ein »ungewöhnlicher Theaterabend« über ein »faszinierendes Beziehungsquartett«, ein »Psycho-Drama im Smalltalk-Ton«, diese Worte findet der Kulturkanal über die deutschsprachige Erstaufführung von »Das lange Nachspiel einer kurzen Mitteilung«. Der Text trifft den »lapidaren Ton von Kurznachrichten in sozialen Netzwerken« und bringt damit »Tragödien aus Begehren und Zurückweisung, Verlustangst und Eifersucht« zwischenmenschlicher Beziehungen zum Vorschein. Die Regisseurin habe »die immanente Komik dieser Text-Partitur, die zunächst nach dem Prinzip der Flüsterpropaganda funktioniert, in einer großartigen Choreographie aus weiten Gängen und entferntem Zurufen des nächsten Dialogpartners in Szene gesetzt«. Großes Lob auch für die Schauspieler: »Grandios bringen die vier Darsteller den Text-Rhythmus zum Schwingen, lösen sich in kleinen emotionalen Soli und Duetten von der formalen Strenge, spüren dem Klang ihrer Sätze nach, aber verlieren sich nicht in Gefühlsausbrüchen, kehren zurück zum Understatement-Takt, den der Text vorgibt«.