Junges Theater

Liebe Leute,

vielleicht kennt Ihr das auch: hin und wieder überlege ich, wie sinnvoll es ist, was ich mache. Gerade in Zeiten, da die Welt aus den Fugen zu geraten scheint, Menschen auf der Flucht sind, darunter viele Kinder und Jugendliche, die vor nie gekannten Heraus-

forderungen stehen und sich nach traumatischen Erlebnissen in einem fremden Land ein neues Leben aufbauen müssen, stelle ich mir folgende Fragen:

Ist Theater wirklich wichtig? Kann es etwas bewirken? Brauchen wir es überhaupt?

Theater bedeutet zunächst einmal »Geschichten«. Seit ich eine kleine Tochter habe, erlebe ich jeden Tag aufs Neue die elementare  Bedeutung von Geschichten: sie sind ihr Trost und Fantasie zugleich, geben ihr Geborgenheit und ein Zuhause. Mit Geschichten lernt sie sprechen und fühlen. Sie merkt, was es heißt, traurig oder fröhlich zu sein und testet so manchen Gefühlszustand. In Geschichten kann sie sich ausruhen, ausprobieren, Abenteuer erleben, neue Menschen, Tiere und Sensationen kennenlernen, unmögliche Sachen einfach mal machen, alles auf den Kopf stellen, fliegen, den großen Löwen besiegen und sich eventuell ein stückweit für das Leben da draußen wappnen. In Geschichten ist alles denkbar. Vielleicht auch in echt?

Und deshalb glaube ich an die Kraft des Theaters, seine Stärken und Schwächen, seine Relevanz und Bedeutung. Gerade in Zeiten wie diesen. Theater erzählt verschiedene Geschichten verschiedener Zeiten mit verschiedenen Mitteln, deren Wirkung jedoch stets die gleiche bleibt: sie vermögen, uns Freude und Trost zu spenden,

Empathie zu lehren, den Blick zu weiten und uns daran zu erinnern, dass Unmögliches manchmal eben doch möglich ist. Wir können nicht ohne Geschichte, Geschichten oder Imagination. Ich auch nicht. Aus diesem Grund mache ich Theater. Und freue mich auf Euch im Jungen Theater!

 

 

Julia Mayr

Leitung Junges Theater