UNTER WASSER / SOTT'ACQUA from Aesop Studio on Vimeo.

 

 

 

UNTER WATER // SOTT'ACQUA  the making of from Aesop Studio on Vimeo.

 

 

UNTER WASSER // RAI TV report (italian television) from Aesop Studio on Vimeo.

Der erste Futurologische Kongress – benannt nach dem gleichnamigen Roman des polnischen Schriftstellers Stanisław Lem - wurde 2018 in Ingolstadt veranstaltet, erdacht, durchgeführt und organisiert vom Stadttheater Ingolstadt. Dieses überaus erfolgreiche Format, das zu zeitaktuellen gesellschaftspolitisch relevanten Themen Kunst und Wissenschaft zusammen schmiedet, wurde in Bozen von der Forschungseinrichtung Eurac Research neu interpretiert und gemeinsam mit dem Festival für zeitgenössische Kultur Transart weiter entwickelt. Auch der Futurologische Kongress in Bozen fokussiert themenorientiert Kunst und Wissenschaft, der Schwerpunkt liegt aber, naturgemäß anders als bei einem Theater, auf Debatte und wissenschaftliche Durchdringung.

Das Thema in Bozen 2021 könnte brisanter und aktueller nicht sein: Energie. Das Thema Energie, auch im Zusammenhang mit der Klimakatastrophe, wird politisch und praktisch das 21. Jahrhundert prägen und umfasst alle Lebensbereiche unserer Gesellschaft.

Ein wichtiger Teilaspekt ist Wasserenergie. Einerseits liefert Wasserenergie notwendigen Strom, andererseits steht sie für gigantische Umweltzerstörung. Der Kampf um Wasser ist jetzt schon ein zentraler Konflikt weltweit. Kontrolle über Wasser bedeutet Macht.

Unweit von Bozen wurde zur Gewinnung von »Winterstrom« im 20. Jahrhundert am Reschenpass ein gewaltiger Stausee gegen den Widerstand der Bevölkerung, die über die Tragweite des Projektes im Unklaren gehalten wurde,  gebaut. Der Hunger nach Strom in der Schweiz und Norditalien war gewaltig. Die Achtung der Interessen der Bevölkerung Südtirols war nicht so gewaltig. Die Interessen der Wirtschaft hatten Vorrang.

Letztlich setzte der Staat den Bau des Staudamms durch, dem  ein ganzes Dorf, Menschen, Tiere, Kulturland, geopfert wurde. Alt-Graun wurde 1950 geflutet, ebenso Teile des Dorfes Reschen. Häuser, Kirchen, Stallungen wurden gesprengt. Gräber umgebettet. Die Menschen wurden gezwungen, umzusiedeln, ihre Heimat und Identität aufzugeben. Zum zweiten Mal nach dem Diktat der faschistischen Regierung von 1938, der sogenannten »Option« (Umsiedelung ins deutsche Reich oder Dableiben in Südtirol). Was übrig blieb vom Dorf: der denkmalgeschützte Turm der Kirche aus dem 14. Jahrhundert, die der hl. Katharina von Alexandrien geweiht war. Der letzte Gottesdienst fand am 09. Juli 1950 statt.

Das Stadttheater Ingolstadt fühlt sich dem Futurologischen Kongress Bozen sehr verbunden und leistet gerne einen künstlerischen Beitrag. Der deutsch-italienische Videokünstler Stefano di Buduo adaptiert die tragische Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner*innen und erinnert an die Ereignisse mit einer Videoperformance auf einem Hydroschild auf dem Reschensee. Am Ort der tragischen Ereignisse wird die Energie der Zerstörung sinnlich wahrnehmbar. Gleichzeitig wird an die Bewohner*innen von Graun erinnert. Schemenhaft erscheinen Menschen, Gebäude und Geschichten aus dem Wasser und im Wasser, um dann wieder zu verschwinden.

Auch wenn der Reschensee sich zu einem touristischem Hotspot entwickelt - eine wirkliche Versöhnung ist angesichts des Verlustes schwer vorstellbar. Die Geschichte von Graun steht stellvertretend für unseren Umgang mit (auch unserer eigenen) Natur. Welchen Preis sind wir bereit zu zahlen für eine Energie, die uns ein sorgloses Leben zu garantieren scheint?

Das Projekt wäre nicht zu realisieren gewesen ohne die leidenschaftliche Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Graun, stellvertretend hierfür Feuerwehrkommandant Peter Theiner, der Freiwilligen Feuerwehr Reschen, dem Bürgermeister der Gemeinde Graun, Herrn Franz Prieth, Frau Brigitte Maria Pircher, Herrn Gerald Burger und dem Südtiroler Harald Pechlaner, Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der auch bei Eurac Research in Bozen mitarbeitet.