Herr Bürgermeister Mißlbeck hat, wie er mitteilte, auf einem Langstreckenflug seine Vision eines Kulturbaus (= Kammerspiele) auf Papier skizziert und einen Ingolstädter Architekten, Herrn Bachschuster, beauftragt, diese »Vision« professionell umzusetzen. Nach einer großangelegten Präsentation durch den »Donaukurier« wurde und wird dieser Entwurf in der Öffentlichkeit lebhaft diskutiert. Es gibt viel Zustimmung, aber auch vehemente Ablehnung.

Aus der Zustimmung spricht vor allem Eines: Die Sehnsucht der Ingolstädter Bürgerinnen und Bürger, die Stadt an die Donau zu bringen, das Flussufer urban zu beleben. Endlich!, möchte man sagen. Viel zu lange war der Fluss eine Grenze. Insofern ist ein spektakulärer Bau am Ufer nur zu begrüßen!

Für die Kammerspiele allerdings ist das keine sinnvolle Lösung. Das Theater benötigt keinen weiteren Repräsentationsbau, den hat es bereits: den Hämer-Bau. Das Stadttheater benötigt vielmehr eine Bürgerbühne mit Arbeitsräumen und Lagerflächen. Es soll ein offenes Haus werden für alle Generationen, das Junge Theater und die Theaterpädagogik. Probebühnen, Büros und Lagerfläche sind das, was das Theater benötigt. Über Konzept und Funktionsräume wurde mit mir und Herrn Meyer, dem Verwaltungsleiter, nicht gesprochen. Das Konzept eines Theaterbaus über einer viel befahrenen Straße ist fragwürdig.

Natürlich ist die Lage attraktiv. Die Frage ist, warum kein für Theaterbauten spezialisiertes Büro sie für die Aufgabenstellung geeignet hielt. Unter anderem wohl deshalb, weil ein Kostendeckel von 30 Mio. völlig illusorisch ist.

Das Theater kann mit den drei Siegerentwürfen oder einem Südanbau sehr gut leben. Auch stadtarchitektonisch sind die Siegerentwürfe überzeugend.

Die Betriebsgenehmigung für den Hämer-Bau geht bis 12/2022. Um die überhaupt zu bekommen, wird das Haus gerade brandschutztechnisch ertüchtigt. Ob über 2022 hinaus eine Betriebsgenehmigung erteilt werden wird,  kann heute niemand verbindlich sagen.

Kurzum: Diese Aktion ignoriert die demokratischen Regeln und ein laufendes Verfahren und riskiert die weitere Entwicklung des Theaters mit 200 Arbeitsplätzen, denn der Bau dieses Entwurfs verzögert den Bau der Kammerspiele und damit die Generalsanierung um viele weitere Jahre. Es könnte die Kammerspiele sogar verhindern! Es ist völlig unverständlich, warum sich Herr Bachschuster nicht an das Ausschreibungsverfahren gehalten hat; er hätte sich bewerben können.

Abgesehen davon freue ich mich sehr darüber, dass große Teile der Bevölkerung eine attraktive Anbindung der Stadt an die Donau wünschen! Dafür werbe auch ich schon lange. In dem Fall passt es leider nicht. Und natürlich freue ich mich auch darüber, dass das Projekt »Kammerspiele« plötzlich viele neue Freund*innen hat. Wer hätte das gedacht!?

 

KW.