Das Stadttheater Ingolstadt ist an einem zweiten repräsentativen Theaterbau nicht interessiert. Das Theater darf und kann sich nicht selber kannibalisieren. Das Stadttheater benötigt für die Zeit der Generalsanierung eine Ersatzspielstätte für Eigenproduktionen und Gastspiele von Tanz- und Musiktheater. Im Anschluss an die Sanierung des Hämer-Baus sind die Kammerspiele erweiterter Produktions- und Spielort. Als Produktionsort orientieren sich die Kammerspiele an den arbeitsorganisatorischen und arbeitstechnischen Anforderungen des Theaterbetriebs, d.h. sie beherbergen Probebühnen, Lagerflächen, Büros und Werkstätten. Als Spielort sind die Kammerspiele dauerhafter Ersatz für das »Kleine Haus«, das den Anforderungen als Theaterspielstätte in keiner Weise mehr genügt. Das Konzept der Kammerspiele als Bürgertheater sieht eine transparente und offene Raumsituation vor, die als bürgernaher Treffpunkt ebenso dient, wie als Spielort für das Junge Theater, die Theatervermittlung und die zahlreichen generationsübergreifenden Spielclubs des Theaters.

Als Baukörper sind die Kammerspiele als nachbarschaftliche Ergänzung des Hämer-Baus gedacht, dem sie sich unterordnen und auf den sie sich gleichwohl beziehen.

Die derzeitige Arbeitssituation der ca. 200 Mitarbeiter*innen des Theaters ist weiter schwierig bis unzumutbar.

Die Theatersanierung ist nicht nur aus Brandschutzgründen unerlässlich. Auch in den Bereichen Klimatechnik, Elektroverkabelung, Bühnentechnik und Wasser-Abwasser besteht sowohl im Theaterbereich als auch im Festsaal dringender Handlungsbedarf.

Aus diesem Grund greift die Theaterleitung die Vorschläge aus dem Stadtrat (Planungsausschuss vom 2. Juli 2019) gerne auf, dass der Stadtrat noch in dieser Legislaturperiode in seiner Dezember-Sitzung, also vor der Kommunalwahl, eine definitive Entscheidung zur Zukunft der Kammerspiele treffen möge. Bis dahin liegen die vertieften und aktualisierten Erkenntnisse der drei Siegerentwürfe des Wettbewerbs vor (VgV-Verfahren). Sollte eine vorgezogene Entscheidung des Stadtrats aus Zeitgründen nicht möglich sein, dann muss der Zeitplan unbedingt so bleiben wie beschlossen: Bis November erarbeiten die Preisträger Lösungsvorschläge und Konkretisierungen; im Anschluss bewertet diese Vorschläge ein externer Projektsteuerer. Im 1. Quartal 2020 werden Verhandlungen mit den Preisträgern geführt und im 2. Quartal entscheidet der Stadtrat.

Eine weitere Verzögerung des Verfahrens ist nicht sinnvoll und wäre auch den Mitarbeiter*innen nicht vermittelbar. 

Das von Bürgermeister Mißlbeck geforderte Verfahren verzögert den Bau der Kammerspiele um ca. 1 ½ Jahre. Das derzeitige Verfahren müsste offiziell beendet werden, um einen weiteren, dann einen dritten Wettbewerb an einem neuen Standort einzuleiten, was abermals mit erheblichen Kosten verbunden wäre. Vorher müsste geprüft werden, ob ein so großes Gebäude am unmittelbaren Donauufer überhaupt möglich ist. Ein attraktives Gebäude am Fluss ist aus Sicht vieler Bürger*innen sinnvoll und wünschenswert. Ein überdimensionierter Theaterbau ist weder von Seiten des Theaters  noch von der Bürgerschaft gewünscht.

Die Vorgehensweise des Bürgermeisters ist äußerst befremdlich. Soll hier ein demokratisches Verfahren willkürlich ausgehebelt werden, um eigene Vorstellungen stadtpolitisch durchzusetzen? Die Bürgerbeteiligung zum laufenden Verfahren wird ignoriert, der vom Stadtrat festgelegte Kostenrahmen für den Bau der Kammerspiele wird angezweifelt, die Kosten für den eigenen Entwurf schön gerechnet, obwohl selbst ein Laie unschwer erkennen kann, dass sie den Rahmen von 30 Millionen exorbitant sprengen würden. Auch weiß jeder Häuslebauer, dass die Kosten für jeden Hausbau jährlich steigen und es sei daran erinnert, dass der Freistaat bis zu 75 % der abzugsfähigen Kosten zuschießt. Auch wenn die Zuschüsse des Freistaates ebenfalls aus Steuergeldern stammen, ist es für die Stadt Ingolstadt keinesfalls egal, ob die Baukosten in dieser Höhe vom Freistaat übernommen werden oder nicht.

Das Vorgehen von Herrn Mißlbeck verzögert den geplanten Bau um Jahre, wenn er ihn nicht gänzlich verhindert. Was also steht hinter dem Vorgehen? Ein Bürgerwille für den Bau eines neuen Theaters an der Donau ist nicht zu erkennen, wohl aber der Wunsch nach einer stadträumlichen Nutzung des Donauufers für zum Beispiel Restaurants, Kongresszentrum, Sport- und Freizeitaktivitäten. Der Entwurf des Architekten Bachschuster ist eine Hülle, in der Vieles stattfinden kann, nur nicht ein Theaterbetrieb mit dem vorliegenden Nutzungskonzept.

Worum also geht es Bürgermeister Mißlbeck wirklich? Obwohl ihm der Planungsausschuss des Stadtrats bereits die gelb-rote Karte gezeigt hat? Vielleicht sollte dazu ein Ideen-Wettbewerb ausgeschrieben werden?